Heute wird mein Tag

21 Apr

Heute wird mein Tag,
denn ich habe ihn schon vor dem Abend gelobt.

Ich will mit dir von Nachbars Teller Scherzkekse stehlen,
und zusammen frühstücken.
Mit ein paar Krumen locken wir den frühen Vogel auf die falsche Fährte,
retten den Wurm und setzten ihn in den Zug nach Nirgendwo.

Heute will ich noch mit ins Blaue fahren,
um grüne Wunder zu erleben.
Wir nehmen meinen geschenkten Gaul und reiten dahin,
wo der geölte Blitz schon zweimal eingeschlagen hat.

Dort, gleich hinter dem zerstörten Luftschloss,
wartet Wolke Nummer 9¾ auf uns.
Auf ihr will ich mit dir entschweben,
und nach dem Erdmittelpunkt greifen.

Und während wir dahingleiten,
fliegen zwei Schwalben an uns vorbei.

Und dann weiß ich.
Es wird bald Sommer.

Und alles wird gut.

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Jeder Kopf ist seine eigene Welt

7 Apr

Ich weiß nicht, wer diesen klugen Gedanken gefasst hat. Ich könnte das jetzt googeln. Aber es ist an dieser Stelle nicht relevant. Und darum geht es im Grunde nicht.

Nun bin ich etwa ein Jahr auf Twitter. Ich mag es. Mal mehr, mal weniger. Mit Twitter kann ich prima aus meinem Schreibtischdasein ausbrechen, wenn mir danach ist. Ich mag die Tonalität, die auf Twitter herrscht. Früher musste ich in die Kneipe gehen, wenn mir nach Konversation dieser Art war. Bei lauter Musik kann man eh nicht mehr als 140 Zeichen verstehen. Heute klinke ich mich ein in Twitter. Dort witzele ich herum, und poste mal mehr mal weniger seichte Erkenntnisse.

Jeder Tweet ist seine eigene Welt. Das könnt ihr jetzt gerne googeln. Aber ihr werdet nicht fündig. Denn diese Erkenntnis ist gerade von mir. Offensichlich habe ich mit meiner Art zu kommunizieren einen empfindsamen Twitterer dazu gebracht, mich zu entsternen, zu entfolgen und zu blocken.

Asche auf mein Haupt.

Ich habe diesen armen Kerl mit meiner Ironie einfach überfordert. So sehr, dass er auf keinen Fall mehr einer drogensüchtigen Mutter folgen will. Aber ich greife der Sache vor.

Es begab sich gestern nacht zu später Stunde. Ich war nicht müde und ging noch ein paar Auftrags-Texte durch. Um mich zu zerstreuen, schaute ich in meine Timeline und las folgendes:

Kann es sein, dass diese Til Schweiger-Filme ziemlich schlecht sind, aber trotzdem Kassenknüller? Was sagt das über das dt. Publikum aus?

„Wo er recht hat, hat er Recht“ war mein spontaner Gedanke. Leider schrieb ich das nicht so:

@gefuehlskruppel Objektiv gesehen schmecken Nudeln auch nach nix. Essen tut sie aber trotzdem jeder.

Die Antwort kam promt, wie in einer guten Screwball-Komödie:

@PetaPan2 Zu Nudeln als Grundlage kann ich jede Art von Geschmack hinzutun. Til Schweiger-Filme kann man aber höchstens mit Drogen ertragen.

„Gut pariert“, dachte ich und wollte noch eine ironische Kirsche draufsetzen:

@gefuehlskruppel lass einfach die Til Schweiger-Filme weg. Dann schmecken die Drogen besser.

Mit seiner Reaktion habe ich nun wirklich nicht gerechnet:

Erst mal Drogen konsumierende Mütter, die Til-Schweiger-Filme gut finden, entfolgen und blocken.

Ich war baff. Wie konnte er nur annehmen, dass ich Til Schweiger gut finde?!

Das hätte ich aber sollen. Wenn ich seine Tweets mal richtig gelesen hätte. Dann hätte ich verstanden, warum er sich auf Twitter gefuehlskrüppel nennt. Ich lerne wieder einmal daraus, dass wir noch viel behutsamer miteinander umgehen müssen. Dass wir besser aufeinander achten müssen. Dass wir Menschen da abholen müssen, wo sie stehen. Insbesondere im Netz.

Lieber Gefühlskrüppel,

ich hoffe, dass dich diese Zeilen einmal erreichen werden. Es war nicht meine Absicht, dich zu verletzen. Ich mache immer wieder den gleichen Fehler, und setze meine eigene mentale Robustheit bei anderen voraus. Ich mag euch Menschen. Ich hab mit euch meinen Frieden geschlossen. Ich kann eure Schwächen akzeptieren, und euch eure Stärken von Herzen gönnen.

Ja, du hast recht. Ich bin süchtig. Nach Erkenntnis, nach Wahrheit. Der Stoff, den ich konsumiere heißt Leben. Und mein Dealer ist die Welt.

Es war mir eine Ehre, dich in meiner Timeline gewußt zu haben.

Herzlichst,
Peta Pan.

Flow(p) oder Job

19 Feb

Ab und an lese ich auch mal Stellenanzeigen. Nicht unbedingt der Stellen wegen. Wozu auch?

Als ob ich nicht mit zehnsprachigen 23-jährigen Raketeningenieuren und ihren drei Auslandssemestern im Orbit locker mithalten könnte. Es sind häufig diese gesuchten Charaktere und ihre Typbeschreibungen, die mich vor der dem Job meistens abschrecken.

Der flexible, belastbare und kommunikationsstarke Typ erfreut sich ja einer zeitlosen Beliebigkeit. Stelle ich mir flexible, belastbare und kommunikationsstarke Menschen vor, sehe ich Labertaschen mit schwachem Rückgrat, die sich meist zu viel aufhalsen lassen. Dieser Typ ist ein echtes Arbeitstier. Wenn er erst einmal bei der Sache ist, lässt er sich durch nichts ablenken. Nicht mal mit Kätzchenvideos. Und zu seinen Kollegen ist er immer nett und hat für jeden stets ein freundliches „Mahlzeit!“ auf den Lippen.

Insgesamt kann ich da vom Typ mal wieder nicht dienen. Und so lasse ich es entmutigt mit der Bewerbung wieder einfach bleiben, und die Dinge so laufen, wie sie laufen.

Als kreativer Mensch hat man es eh nie leicht und auch seine Probleme mit gewöhnlichen Jobs. Ständig ist man damit abgelenkt seine geistigen Ergüsse auf Papier zu bringen. In keinem Fall darf man diese kreativen Flows mit etwas Unsinnigem stören. Wie mit einem bezahlten Job zum Beispiel. Niemals.

Es ist nicht so, dass wir arrogant oder faul wären. Wir sind einfach nur krank. Kranke Typen eben. Von einem Virus infiziert und befallen. Wir tragen den WARUM-Virus chronisch in uns. Wir fragen ständig und bei allem: WARUM? Wieso wir uns das fragen? Deshalb. Verstehen sie nicht? Sie sind ja auch nicht krank.

Ich möchte es ihnen anhand eines konkreten Beispiels einmal erläutern. Stellen sie sich einmal vor, ich sei eine Angestellte. Jeden Morgen also, wenn der Wecker mir rythmisch ins Hirn hämmert und mich anbrüllt „Steh auf, quäl dich durch den Berufsverkehr und mach andere Menschen reich mit deinen brillanten Ideen“; Ich würde mich langsam im Bett umdrehen und leise zurückfragen: “Warum?“.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob es das genau trifft, was ich ausdrücken möchte. Daher möchte noch ein weiteres Beispiel wählen. Stellen Sie sich jetzt einmal vor, ich wäre eine Gynäkologin. Jeden Tag würde ich also vor meiner Arbeit stehen und mich fragen: „Warum zeigt die mir das alles gerade? Und warum schaue ich überhaupt da hin?!“ Verstehen Sie jetzt?!

Und dann sind da noch die offensichtlich fragwürdigen Jobs. Investmentbanker sind das Paradebeispiel. Das leuchtet auch jedem sofort ein. Gefährlich sind aber diese Jobs, denen man die Verwerflichkeit nicht auf den ersten Blick ansieht.

Nehmen wir mal die Bäcker. Das glauben sie jetzt sicher nicht. Lassen sie sich nicht blenden von dem reinen Weiß. Seien sie doch nicht so naiv. Dieses Business ist so schmutzig! Denn, was die wenigsten wissen: In ganz großem Stil wird Hefe ausgebeutet. Diese armen Mikroorganismen machen doch die ganze Arbeit für das faule Bäckerpack. DIE machen doch, dass der Teig hochgeht! Die stemmen ihn hoch, mit ihren dünnen Ärmchen. Und wenn die ganze Arbeit erledigt ist, werden diese unschuldigen Kleinstlebewesen etwa bezahlt? Oder wird ihre Arbeit in irgendeiner Weise honoriert? Im Gegenteil. Sie werden umgebracht. Verbrannt. Bei lebendigem Leib. Das ist so schäbig!

In dieser Art und Weise können sie systematisch durch alle existierenden Branchen gehen, und sie werden auf widerliche, morbide und kranke Zustände stossen. Am Ende des Tages bin ich jedenfalls nicht überrascht, dass so viele Menschen auf Droge gehen.

Oder auf die Bühne.

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Sternzeichen Stier, Aszendent Böse

12 Jan

Astrologen behaupten ja, dass Sternbilder uns genau in dem Moment beeinflussen, in dem wir geboren werden. Die auf uns einwirkende Sternenenergie bestimmt demnach unser Wesen und unseren Charakter. Ich bin ein Idiot und kann also in Wahrheit nichts dafür. Ich finde, dass hat etwas ungemein Erleichterndes, wenn man weiß, wem man die Schuld für alles geben kann. Und zum Glück ist man auch nicht der einzige Vollpfosten in seinem Sternzeichen. Bei 6,5 Milliarden Menschen sind das eine Menge Tore.

Ich glaube nicht an Sternbilder. Dann schon eher an Statistik, die ich selbst gefälscht habe. Und deswegen ist es wohl auch kein großer Zufall, dass Saddam und ich am selben Tag Geburtstag haben. Dieser verwirrte, zottelige irakische Massenmörder, den man in einem schmutzigen Erdloch fand? Und den man dann hingerichtet hat? Das ist mein Sternenverwandter. Mit dem habe ich jede Menge Sterne gemeinsam.

Hitlers Geburtstag habe ich allerdings ganz knapp verfehlt. Der Führer fand aber immerhin, mein Geburtstag wäre ein prima Tag für seine Heiratsvorbereitung. Leider hielt das Glück nicht lange, denn keine 36 Stunden später versuchten Adolf und Eva ihre Ehe zu annullieren. Mit einem Doppel-Suizid.

Die Führergeburtstagsverfehlung kann womöglich daran liegen, dass ich nur halbarisch bin. Der andere genetisch bösartige Teil in mir ist nämlich serbisch. Damit meine ich nicht Cevapcici, Istrienurlaub oder den Bosnienkrieg. Ich meine diesen serbischen Sniper, der auf einen österreichischen Monarchen schoss, und damit den 1.Weltkrieg in Gang setzte. Schade eigentlich. Hitler war auch Österreicher. Aber, wenn sich Sniper erst einmal auf etwas eingeschossen haben…

Es wundert nicht wirklich, dass der serbische Schütze dafür büßen musste. Theoretisch sollte er 20 Jahre ins Gefängnis. Aber was macht er, kaum das er im Kerker sitzt? Er stirbt. Selbstverständlich an meinem Geburtstag. Als ob schlechte Haftbedingungen ein Grund wären?

Es gibt Frauen da draußen, die sprechen mit ihren Brüsten und geben ihnen Namen, wie Doopsy & Poopsy, oder Hans & Franz. Ich habe meinen Schultern Namen gegeben. Links, die Serben. Rechts, die Deutschen. Manchmal nenne ich sie auch liebevoll 1. und 2. Weltkrieg.

Ja, zum Teufel Kruzifix Himmel Mist Sakrament! Bin ich verflucht? Soviel Schuld kann doch kein Mensch alleine schultern. Ich habe chronische Rückenschmerzen und einen Bandschscheibenvorfall. Ich denke ernsthaft über eine operative Schulterverkleinerung nach.

Es lässt sich leider nicht leugnen, dass ich schon von Geburt an erstklassige Anlagen mitbringe für die Verfolgung, Unterdrückung und vielleicht auch Eliminierung religiöser und ethnischer Minderheiten.* Aber will ich das? Auf keinen Fall. Im Moment passt mir das gerade gar nicht.

Und warum weiß ich das? Eben. Aus den Horror-Skopen. Hätte ich die nicht gelesen, würden meine dunklen Talente weiter im Verborgenen schlummern, und ich könnte weiter ruhig schlagen…äh, ich meine schlafen. Seht ihr, wie verwirrt ich schon bin?!?!
Ich bin ratlos.
Ich glaube, auf den Schreck pule ich mir erst mal einen Glückskeks auf. Und lese dann weiter.

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*In meinem Sternbild des Schreckens darf Mussolini nicht fehlen. Der godfather of Faschismus. Zugegeben, er wurde zwar nicht am gleichen Tag wie ich geboren. Aber getötet. Sogar zwei Mal. Erst hat man ihn erschossen, danach erhängt. Mit extrem bösen Menschen macht man das so. Sicher ist sicher.

Das geht mir esotierisch auf den Glückskeks

11 Jan

Auf meine Menschenkenntnis kann ich mich zum Glück ja verlassen. Und deswegen habe ich neulich auch nicht gezögert, meiner freundlichen Nachbarin meinen Hausschlüssel für Notfälle zu überlassen. Jetzt habe ich Hühnerknochen in meinem Basilikumtöpfchen stecken und kitschige Engelsfiguren in in jeder Ecke. Das gäbe mir eine positive Aura, sagt sie.

Ich glaube nicht an Engel. Auch will ich keine Hühnergräber zwischen meinem Basilikum. Ich will nur noch meinen Schlüssel zurück, ohne meine Nachbarin dabei wie einen esoterischen Einfaltspinsel dastehen zu lassen. Denn im Grunde ist sie eine arglose Seele.

Eigentlich bewundere ich Menschen, die die Gabe haben, mit Geistern und Engelswesen zu reden, und ich bin auch ein klein wenig neidisch auf sie. Ich selbst hatte als Kind nur einen eingebildeten Freund; Einen knapp 2.50 m großen Plüschhasen, der mich aber irgendwann wegen der schöneren Sandförmchen einer Anderen verlassen hat.

Ich sollte nicht spotten, denn bei genauerem Hinschauen stamme ich aus einer Seherfamilie. Meine rumänische Großmutter war nämlich eine begnadete Kaffesatzleserin, und ihr wahrsagerischer Ruf eilte ihr weit über die transsilvanische Dorfgrenze voraus.

In Liebes- und Viehzuchtfragen war meine Nana die letzte Instanz. Scharenweise pilgerte täglich verliebtes Bauernvolk auf einen starken und heißen Mocca zu ihr. Wenn man den Koffeinpegel über Tag immer schön konstant hält, kann einen diese psychoaktive Droge unglaubliche Dinge im feuchten Kaffeemehl entdecken lassen. Und was man alles darin lesen kann. Reichtum, Glück und ungeahnte Potentiale in uns, die entfaltet werden wollen. Wow!

Ich hab das auch mal versucht. Aber, ich habe im Grunde nur ein kleines einsames Mädchen mit dunklen Zöpfen gesehen, das einen kleinen süßen Hund – den es übrigens niemals haben durfte – Gassi führt. Geglaubt hat mir das nur keiner. Und dabei habe ich es so deutlich gesehen!
Unglaublich, wie viel Information in so einer kleinen Moccatasse gespeichert ist. Vielleicht ist Kaffeesatz ja das Silicon von morgen. Auf den zweiten Blick ist das auch gar nicht so abwegig. Wer hätte denn beispielsweise vor 20 Jahren geglaubt, dass man Silicon* in Brüste steckt?

Eine gute Alternative für Menschen mit Reizmagen und Teetrinker sind Tarot –Karten. Mit etwas irdischem Geld kann man sich so ein übersinnliches Blatt erwerben, und fantastisch in die Zukunft blicken. Es gibt sagenhafte 78(!) Möglichkeiten die ganzen Sensemänner, Jungfrauen und Narren in Kombination zu legen. Das bietet jede Menge Spielraum für persönliche Auslegungen. Und die stehen aber auf keinen Fall in Zusammenhang mit mathematischen Wahrscheinlichkeiten. Oder Zufällen. Die mystischen Zukunftsprognosen werden selbstverständlich gelenkt durch den unendlichen Kosmos. Was die Anzahl der möglichen Scharlatane so ins Unendliche steigert.

Ich selbst lasse mir ja nicht so gerne in die Karten gucken, und deshalb schiele daher hin und wieder in Horoskope. Oder knacke auch mal gerne einen Glückskeks.

Warum? Barnum**.
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* Ja, ja. Ist ja schon gut. Chips sind aus Silizium, und Brüste aus Silikon. Und „Silicon“ ist das englische Wort für Silizium. Jetzt hast du mit deiner Rechthaberei den ganzen Gag ruiniert. Und? Zufrieden?
** Mögliche Nebenwirkungen beim Googlen: Wirkt auf den kritischen Leser erhellend. Auf den Einfältigen eher verstörend.

STELLEN ODER NICHT STELLEN – DAS IST HIER DIE FRAGE.

9 Jan

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich mag Menschen. Wirklich. Hand auf´s Herz. Ich habe mit Ihnen meinen Frieden geschlossen. Ich akzeptiere ihre Schwächen und kann ihnen Ihre Stärken von Herzen gönnen. Aber es gibt eine spezielle Eigenart, mit der ich nach wie vor nicht klar komme.

Ich rede von der gemeinen Schwatzsucht.

Damit meine ich das Reden um des Redens Willen. Das Reden ohne Unterlass, Das vollgetextet werden ohne Rücksicht. Das tragische Zusammentreffen zweier Welten. Was des einem ist seine süße Stille, ist dem anderen seine unerträgliche Leere.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen stundenlang über Belangloses reden können. Nicht das es mich wirklich stört. Aber mich langweilt es ab einem bestimmten Punkt. Und ich finde, es ist mein gutes Recht.
Jeder kennt sie. Sie lauern meist in der Familie, im Bekanntenkreis oder bei facebook. Wenn sie einen erst einmal in ihren Fängen haben, gibt es kein Entrinnen mehr.

Aber was jammere ich hier herum. Ich bin es auch selbst schuld. Anstatt mit kurzem Gruß und strammem Schritt einfach weiterzugehen, mache ich immer DEN entscheidenden Fehler. Ich bleibe stehen, und stelle eine kleine, scheinbar völlig harmlos wirkende Frage:

WIE GEHT´S DENN SO?

Gefühlte vier Jahreszeiten später, erschöpft, mit wirrem Kopf und einer noch wirreren Ausrede schaffe ich es meist mich zu befreien. Völlig benommen torkele ich dann nach Hause, mit der festen Absicht dieses nie wieder zu verlassen.

Aber selbst in den eigenen 5 Wänden ist man vor Daherschwätzern nicht sicher. Sobald man den Fernseher anmacht, stehen unbedeutende C-Promis in Scharen bereit, um ihre völlig sinnfreie Tageslangeweile vor laufender Kamera nachzustellen, und jeden Zuschauer ins Wachkoma zu sabbeln. Politiker antworten in langen Schachtelsätzen auf nicht gestellte Fragen und wollen mich mit dieser Doppelstrategie verwirren.

Diese Frage ist in Wirklichkeit keine harmlose Frage. Diese Frage hat zweifelsohne das Potential zu einer militärischen Geheimwaffe. Jede feindliche Bastion kann im Prinzip mit ihr eingenommen werden. Statt Bomben zu beladen, bindet man ein Spruchband an ein Kampfflugzeug und stellt dem Feind die heimtückische Frage via Himmelsbotschaft:

WIE GEHT´S DENN SO?

Während der Feind kollektiv bis auf weiteres mit dem Beantworten der Frage abgelenkt ist, marschiert man triumphierend in sein Gebiet und übernimmt die Machtkontrolle. Und nebenbei spart man sich viel Munition und so manches Gliedmaß.

Denken wir mal zurück an Troja. Das hätten die Griechen auch leichter haben können. Natürlich kann man sich spontan ein monströses Holzpferd in der Mittagshitze zusammenzimmern, dann vor die Stadtmauer rollen und voll auf die Neugier des Feindes setzen. Das wäre aber auch einfacher gegangen. Ein kräftiges

WIE GEHT´S DENN SO?

über die Festungsmauer gerufen, das hätte womöglich gereicht.

Warum sollte man nicht auch mal ins Meer rein rufen und fragen, wie es da unten so geht. Atlantis würde nach 10.000 Jahren der Versenkung bestimmt wieder auftauchen. Da ist sicherlich eine Menge passiert und es gibt vieles, worüber man blubbern kann.

Ich passe neuerdings besonders auf, wem ich diese Frage stelle. Und niemals mache ich das in Meernähe. Vorzugsweise stelle ich sie nur noch solchen Menschen, die mir kurz und knapp mit einem „Geht so“ antworten und einfach weitergehen.

Und dann sehe ich ihnen lange nach.Und ärgere mich noch länger darüber, dass sie so kurz angebunden sind und mich einfach so links liegen lassen.

Inkasso für Anfänger

8 Jan

Manchmal, wenn es mit meiner Kunst gerade nicht so gut läuft, muss ich umso kreativer werden in Sachen Geldverdienen. Neulich abends, bei einem guten Tetra-Pack Rotwein, las ich folgende Anzeige: „Bestelle bei einem, dir völlig Unbekannten einen Container geschnitzte schiefe Eiffeltürme – selbstverständlich gegen Vorkasse – die du dann gewinnbringend weiterverkaufst.“

Ich musste zugeben, es klang verlockend, und in Gedanken hing ich schon zwischen zwei Palmen in einer Hängematte. Völlig beschwingt von der Vorstellung überwies ich sofort meine letzte Barschaft an eine 75-stellige Kontonummer. Und wartete. Und wartete. Schließlich musste jeder Turm einzeln und von Hand in Schieflage geschnitzt werden.

Nach einer gefühlten Wartezeit, die der Bauzeit des echten Stahlfachwerkturms schon verdächtig nahe kam, fing ich an zu zweifeln. Vielleicht hatte sich ein Zahlendreher eingeschlichen? Vielleicht dauern Überweisungen nach Dasgeldistfutschistan einfach nur länger? Oder, ich wurde einfach nur verarscht.
Wie es dann so kam. Die Ware kam nicht, und ich war jetzt so richtig pleite. Und das bedeutet bei mir immer Furchtbares: ein Job muß her.

Ich hatte Glück. In meinem Haushalt wurde gerade ein professioneller Geldeintreiber gesucht, und ich bewarb mich sofort. Leider war ich nicht meine erste Wahl. Mein Hochschulabschluss und mein kultiviertes Wesen waren ein echter NO-GO. Aber ich konnte Inkassoerfahrung vorweisen. Theoretisch zumindest. Immerhin wusste ich, in welchen Fällen man tote Fische auf die Fußmatte legt, und ab welcher Mahnstufe man auf Pferdeköpfe umsattelt. Meine Fischallergie verschwieg ich allerdings, und meine Sommerferien 1988 auf dem Reiterhof auch.
Ich wollte diesen Job unbedingt. Um meine Entschlossenheit zu beweisen, hatte ich „I LOVE MUM“ mit Kuli auf den Oberarm gemalt, und ich versprach, mich nach Feierabend weiterzubilden. Über Zement zum Beispiel. Ich gab mir den Job und konnte sofort anfangen.

Auf der Internetseite, auf der ich den Container Geschnitztes bestellt hatte, fand ich die Büroadresse einer Du-mich-auch-AG, eingetragen auf einen Fredo F. Als gute Geldeintreiberin fuhr ich sofort hin und hörte mich erst einmal unauffällig in der Nachbarschaft um. Dabei lernte ich den Poststellen-Betreiber und den Grundschullehrer kennen. Bei dem Informanten handelte es sich nicht, wie zunächst angenommen, um eine multiple Persönlichkeit, sondern um ein sehr kleines Dorf.

Wie ich erfuhr, war die kleinkriminelle Ader bei Fredo bereits in der Grundschule auffällig gewesen. Damals hatte er schon versucht, Buchstaben, vorzugsweise das seltene Y, aus dem Alphabet zu stehlen und anderen Grundschulen unter der Hand anzubieten. Später dann, wollte er im osteuropäischen Ukulele-Import/-Export Fuß fassen. Irgend etwas lief aber schief, seitdem humpelt er. Das inspirierte ihn wohl zu den schiefen Eiffeltürmen. Das halbe Dorf hat für ihn geschnitzt. Die Produktion ruht aber bis auf weiteres, da er versehentlich die andere Hälfte bezahlt hatte.

Fredos Nachbar war eine echte Plaudertasche – und mein Aufzeichnungsgerät lief heimlich mit. 2 x 15 Minuten später hatte ich – tröröööööööööötttt! – genügend Information über die Zielperson zusammen. Und meine Kinder eine Benjamin-Blümchen-Kasette weniger. Fredo war ein harter Hund, aber mit diesen Informationen konnte ich ihm ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen konnte:

Fredo,

wenn Du dass liest, bist du vielleicht schon nicht mehr. Diesmal hast du dich mit den Falschen angelegt. Jene Bestellung war im Auftrag der berüchtigten Eifel-Familie, die in sämtlichen Souvenirläden der Region das Kitschmonopol übernehmen will.

Die Clan-Mitglieder sind mächtig sauer. Ich habe sie leise flüstern hören über Ukulele-Belastungstests. Wie lange glaubst du, kann das menschliche Ohr „Ein bisschen Frieden“ ertragen, bevor es sich verflüssigt? Man munkelt, Florian Silbereisen steht mit der Familie ganz dick, und er ist ihnen noch einen Gefallen schuldig.

Fredo, wenn du mir mein Geld überweist, sagen wir, innerhalb der nächsten zehntel Sekunde, könnte ich noch ein gutes Wort für dich einlegen. Ansonsten sehe ich mich gezwungen, den Zement schon mal anzurühren. Ich habe da gerade ein neues Rezept gelesen. Zieht schwer nach unten und gelingt immer.
Vielleicht ein letzter Gruß von jemandem, der nur sein Bestes zurück will.

Eine hundertstel Sekunde später war das Geld wieder auf meinem Konto. Gerade noch rechtzeitig, denn mittlerweile war ich so knapp bei Kasse, dass ich schon den Belag mit Brot essen musste.

Und dann habe ich vorhin einen todsicheren Tipp bekommen. Eine Kiste mit seltenen Primzahlen ist vom LKW gefallen. Bei Barkauf gibt es sogar eine Quadratwurzel gratis obendrauf. Gute Gelegenheiten wittere ich sofort.

Also, ich bin dann mal weg. Geschäfte. Ihr wisst schon.

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Besinnliche Weihnachten

14 Dez

Mir ist das mal wieder alles viel zu schnell gegangen. Offensichtlich werde ich alt. Mein Oster-Schoko-Ei schmilzt immer noch im Mund, und mein Halloween-Kürbis ist noch nicht vollständig vergammelt, da geht wieder die nächste Themenparty an den Start. Schon wieder ist Weihnachten. Im Klartext bedeutet das, die ganze Deko muss wieder austauscht werden.

Ich bin es mittlerweile Leid und habe dieses Jahr die Skelette einfach hängen lassen und ein bisschen Lametta drum herum gepackt. Der Hexe habe ich ein bisschen Watte auf die Backe geklebt. Und im Schrank lag noch alte rote Reizwäsche rum. Die konnte ich noch prima umnähen zu einem schönen Weihnachtsmann-Umhang.

Eigentlich sollte es uns egal sein, was da so am Baum baumelt. An Weihnachten geht es doch nicht um Äußerlichkeiten. Es zählt die inneren Werte. Man soll in sich gehen und mal ganz doll besinnen.
Deswegen gehe ich immer wieder gerne am Heiligen Abend morgens in die Fußgängerzone und stelle mich panischen Geschenkebesorgern in den Weg. Die sind ganz leicht zu erkennen. An diesem besonderen Blick. Und dann setze ich mein schönstes Zeugen-Jehova-Mee-Too-Lächeln auf und sage zu ihnen etwas in der Art: „Hallo Fremder, halt´ doch mal inne und besinne“.
In der Regel folgt eine unmittelbare Tütenattacke, und ich werde mit einem Dreierpack Herrensocken in die Flucht geprügelt.

„Das ist ja eine schöne Bescherung!“

Der Begriff „Bescherung“ ist per se schon negativ belastet, und mit einem schlechten Karma behaftet. Deswegen wundert es auch nicht, dass Geschenke häufig total daneben und unpassend sind. Davon können einige sogar ein Lied von Singen:

Alle Jahre wieder/
kommt der Umtausch bestimmt /
auf die Erde nieder/
wo die Geschäfte sind.

Ich bekomme meistens einen Pullover geschenkt. Theoretisch hätte dieses Geschenk genügend Potential ein echter Kracher zu sein. Praktisch aber, ist dieses Ding untragbar. Die Ärmel sind mir immer viel zu kurz und zu weit. Ihr müsst wissen, ich habe sehr schöne lange schlanke Arme. Dafür sitzt er am Körper unvorteilhaft eng. Weil Pullover heutzutage grundsätzlich immer völlig verschnitten sind. Aber, er hält schön warm, sagt meine Mutter. Da kann ich ihr nur Recht geben. Besonders wärmt er so schön an den Stellen, an denen er kratzt.

Die ganze Geschenkebesorgerei kratzt mich eher nicht. Weil ich prinzipiell nichts verschenke. Zumindest nicht an Personen über achtzehn. Ab achtzehn wird man für alles mögliche und im vollen Umfang haftbar gemacht. Das ist schon Strafe genug. Da muss man nicht noch Geschenke bekommen. Also, ich will nicht schuld sein, wenn Heilig Abend die Geschmackspolizei vor der Tür steht und den Pulli samt Träger verhaftet.

Das einzige, das mich an Weihnachten nervös macht ist die immer wiederkehrende Frage: Gehen wir zu dir oder zu mir? Als Single hat man Panik, wenn sich diese Frage eher nicht stellt. Ich meine das Dilemma von Paaren, und bei wessen Familie der Heilige Abend verbracht werden soll. Ich kenne viele, die würden sich lieber zwischen Pest und Cholera entscheiden wollen.

Noch schlimmer als weihnachtliche Verwandtenbesuche ist Sukkade. Ich kenne keinen Menschen, der Sukkade mag. Sukkade? Kennt ihr doch? Diese klebrigen bunten Dinger im Christstollen. Das braucht kein Mensch. Aber der Mensch braucht dringend folgende Information. Der weiße Puderzucker ist nicht das Symbol für weiße Weihnacht. Ganz und gar nicht. Er symbolisiert die Windel Jesu. Einen ordinären Kackbeutel also. Einen Fäkalienfänger. Quasi, den Superabsorber für die pralle Ladung Gottes.
Da möchte man gar nicht mehr darüber nachdenken, was der Rest vom Kuchen sein soll, geschweige denn davon essen. In diesem Kontext versteht sich auch, warum Sukkade so beschissen schmeckt.

So sehr ich mich auch bemühe, aber Weihnachten toucht mich einfach nicht. Ich will wirklich kein Spielverderber sein, aber im neuen Testament steht weder, das es drei waren, noch wie sie hießen, oder dass sie heilig waren geschweige denn Könige,und deswegen mal großzügig darüber hinwegsehen.

Also, diese drei Typen aus dem Osten – nennen wir sie mal spontan Caspar, Melchior und Balthasar – die sind also einem hellen Stern gefolgt. Einfach so, weil sie Lust darauf hatten. Hunderte von Kilometern, tagelang. Die drei sind immer weiter gelaufen und gelaufen: „ Oh, guck mal, der Stern. Laufen wir mal hinterher“. Und dann, mitten in Jerusalem, quasi kurz vor Betlehem, da versagt das Navi.
Und was machen die drei Jungs? Sie fragen nach dem Weg! Quatschen einfach wildfremde Menschen an. In Jerusalem! In Herodes-Town: „Hallo, wissen sie vielleicht, wo wir den neugeborenen König der Juden finden?„
In Kindermörderhausen nach dem Weg zu fragen finde ich persönlich ein wenig riskant. Aber, ist ja noch mal gutgegangen.

Die drei Weisen aus dem Morgenland schaffen dank der guten Wegbeschreibung auch das letzte Stück Weg nach Bethlehem, und sie finden das Jesuskind. Und alle freuen sich. Sie sind endlich angekommen, das Kind ist gesund und munter, und es ist alles dran. U1: 10 Punkte.
Die drei haben auch Geschenke dabei. Gold, Weihrauch und Myrre. Das sind prima Geschenke. Da freut sich doch jeder kleine Junge darüber. Steht auf der Wunschliste ganz oben. Besonders Myrre. Noch vor Bob der Baumeister und der Play Station. Alle haben noch ein bisschen gefeiert. Und nach der Party sind die drei wieder zurück in den Osten gegangen. Und hier endet die Geschichte.

Vor 2.000 Jahren wurde ein besonderes Kind geboren. Viel Licht, Luxus und Lärm soll uns jedes Jahr aufs Neue daran erinnern. Und, vor lauter Aufwand, vergesse ich immer wieder, worum es eigentlich geht.
Heute sterben täglich 30.000 Kinder an den Folgen von Armut und Unterentwicklung. Jedes Jahr werden 11 Millionen Kinder niemals ihren 5. Geburtstag erleben. Dabei könnten sie es. Wenn wir ihnen Essen und sauberes Wasser schenken würden.
Ich für meinen Teil, freu´ mich jetzt schon auf den 27. Dezember und werde mich bis dahin besinnungslos betrinken. In diesem Sinne….

Fröhliche Weihnachten!

Advent, Advent, ich hab Nikolaus verpennt.

6 Dez

Heute Morgen bin ich beim Aufstehen über drei fein putzig aufgestellte Kinderstiefel gestolpert. “Kacke, du hast Nikolaus verpennt”, schoss es mir heiß durch den Kopf. Wie es sich für einen schlecht sortierten Haushalt gehört, hatte ich selbstverständlich auch keinerlei Süßigkeiten im Haus oder sonst irgendetwas Angemessenes, was man zu diesem Anlass verschenken kann.

Gut, dass ich ein kreativer Mensch bin. Ich neige dazu, solche Momente als Herausforderung zu betrachten, und nicht als Problem. Also begann ich zu wühlen und wurde schnell fündig. Ein Päckchen Vanillezucker, eine Flasche Malzbier und ein Starthilfekabel verteilte ich altersgerecht von klein nach groß. Ich fand es perfekt. Die Freude bei meinen Kindern hielt sich jedoch in Grenzen.

Ich lasse mir aber kein schlechtes Gewissen einreden. Um die Weihnachtszeit wird sowieso viel zu viel genascht. Das beginnt schon an Nikolaus. Dabei erzählen wir unseren Kindern ständig, sie sollen in keinem Fall – in gar keinem – von fremden Männern Süßigkeiten annehmen. Und dann, Anfang Dezember, kriegen Eltern plötzlich diese Massenamnesie und bitten ihre Kinder, für einen wildfremden Herrn Nikolaus einen Stiefel rauszustellen.

Der Typ ist mir persönlich verdächtig. Ich hab den mal gegoogelt. Streng genommen ist er ein Türke. Geboren wurde er an der heutigen türkischen Mittelmeerküste. Ein Muselmann zieht also durch die christliche Gemeinde und verteilt Süßes. Meine Fragelust war nun richtig angefacht und ich hab weiter gegoogelt. Jetzt ist mir alles klar. Das Füllen der Schuhe hat nämlich etwas mit seiner Lende zu tun. Also, mit einer Legende, die sich darum rankt.

Da gab es nämlich diese drei Jungfrauen in seiner Nachbarschaft. Theoretisch waren sie im heiratsfähigen Alter*, aber praktisch unvermittelbar, weil die Familie nicht genügend Mitgift hatte. Dem Vater aber kam die rettende Idee, wie er seine Töchter doch noch standesgemäß an den Ehemann bringen kann.**

So kommt es, dass die drei das älteste Gewerbe der Welt anmelden, um so die Mitgift anzuschaffen. Der Nikolaus hört von diesem neuen Etablissement bei ihm um die Ecke, und geht eines Abends dahin.*** Und weil es so nett war, wirft er jeder noch einen fetten Goldklumpen beim Abschied durchs Fenster. Sie waren nun keine Jungfrauen mehr aber dafür eine gute Partie. Und so stand einer ordnungsgemäßen Zwangsheirat auch nichts mehr im Wege.

Als mitteleuropäische Mutter frage ich mich nun, was diese Nikolaus-Legende für meine Familie bedeutet. Ich interpretiere es so, dass meinen Kindern das Rotlicht-Milleu erspart bleibt. Sofern sie brav die Stiefel vor die Tür stellen. Vor diesem Hintergrund sehe ich das bisschen Karies an den Milchzähnen dann auch nicht mehr eng.

Beim heiligen Rentier, ich gelobe feierlich, nächstes Jahr ganz bestimmt an die Stiefel zu denken.

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* Zwischen 12 und 16 Jahren
** Wäge Ehrre und so.
*** Nur zum reden.

Niemandsland

6 Okt

Der Allgemeinzustand im Morgenland,
ist unerquicklich,
so ist der Barmittelbestand,
dort weit geringer,
als der im Abendland,
und mit diesem Erkenntnisstand,
bist du ´gen Westen aufgebrochen,
dich dem Mammon unterzujochen.

Pausenlos getaktet am Band,
ohne Aufbegehren,
ohne Klagen,
schufst du Rücklagen,
für Familie, für das Alter,
für ein besseres Leben,
in diesem Maschinenzeitalter.

Jetzt bist du alt,
verbraucht, vergrämt, verbittert,
und fragst dich nun,
für wen du hast dich so zerknittert,
diese Schinderei,
zuallermeist für dein Kind,
dieses faule Ei,
sitzt untätig herum,
liest, malt und schreibt,
vertrödelt seine Zeit,
nur es selbst weiß,
was es antreibt,
in seiner Antriebslosigkeit.

Scheinbar will es,
denken und dichten,
Ansichten auslichten,
brennen fürs Erkennen,
einfach sein,
unbändig kreativ,
alternativ karitativ.

In deiner Welt werden Frauen
zum Gebären geboren,
sollen dem Manne gehören,
ihm Untertan zugetan,
mit einem Tuch umgetan,
sollen kochen, putzen, waschen,
sich antatschen lassen,
und ihm danach auch noch Ovationen klatschen.

Deine Ehre ist verletzt,
was soll´s,
mein Herz ist zerfetzt,
ich bin verloren,
ich wurde im Niemandsland geboren.

Deine alte Welt ist mir fremd,
das Land deiner Wahl,
für mich eine Qual,
hineingeboren ins vertraute Fremde,
bin ich weder Fisch noch Fleisch,
kosmopolit vielleicht,
wenngleich ohne Königreich,
ohne Heimatboden ich befand,
mein Zuhause,
das ist Niemandsland.

Diesen Platz im Nirgendwo,
diesen weißen nackten Fleck,
habe ich bunt angemalt,
und zum Denkinhalt,
habe ich mein eigenes Reich erschaffen,
ohne Waffen,
ohne Restriktion,
ohne Religion,
ohne Mauern,
ohne Zäune,
ohne verbotene Apfelbäume.

Ihr könnt jederzeit versuchen,
mich im Niemandsland zu besuchen,
doch gebe ich euch zu bedenken,
dass hier andere Werte lenken.

Hier wohnen,
Friede, Freiheit und Bonmot,
Wut, Hass und Intoleranz,
haben hier Einreiseverbot.
Auch für menschenverachtende Tradition,
ist hier Endstation.

Wenn das in eurem Herzen und
auch in eurem Geiste ist angekommen,
dann heiße ich euch,

Willkommen.

+++You are entering no man´s land+++Вы входите ничейной+++Vous entrez zone neutre+++Sie betreten Niemandsland+++Usted entra a la tierra de nadie+++قمت بإدخال الحرام+++Ulazite Ničija zemlja+++Du indtaster ingenmandsland+++Μπαίνετε γη η οποία δεν του ανθρώπου+++Tiocfaidh tú aon fhear’s talamh+++You kuingia nchi hakuna mtu+++

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