Arbeiten und andere Laster

21 Dez

Freitag Abend. Puhh! Die Woche wäre mal wieder geschafft. Wir haben geackert und geknechtet in unseren Jobs. Wir haben  mal wieder alles gegeben. Bis zur totalen Erschöpfung. Das Feierabendbier haben wir uns mehr als genug verdient. Im Grunde sogar zwei. Oder drei. Oder vierzehn.

Es heißt, die Arbeit sei des Deutschen liebstes Kind. Natürlich ist sie das. Das Wort „Arbeit“ ist schließlich germanischen Ursprungs und bedeutet frei übersetzt: „Ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdammtes Kind.“ Aber nicht nur wir Deutschen sind Malocher.

Das russische Ebenbild zur Arbeit ist die „rabota“. Unser Wort Roboter kommt daher. Das sollte uns aber nicht davon ablenken, dass „rabota“in seinem Ursprung eigentlich „Sklaverei“ bedeutet.

Die Franzosen gehen sogar noch weiter. Ihr „travail“ leitet sich von einem mittelalterlichen Folterinstrument ab.

Ich finde nicht, dass man das alles wissen muss, aber ich bin davon überzeugt, das der Mensch das alles irgendwie ahnt. Und trotzdem. Nichts kann uns von der Arbeit abschrecken. Im Gegenteil. Die Arbeit ist für uns Menschen elementar wichtig. Wir definieren uns darüber. Wir sind eben so.

Eine der ersten Fragen beim Kennen lernen ist doch „Na? Und du? Was machst du so für deinen Lebensunterhalt?“
Ich persönlich verstehe diese Frage nicht. Was werde ich wohl machen? Man sieht doch, was ich mache: Ich atme. Ich atme ein, und ich atme aus. Gut, manchmal mache ich das eine lieber als das andere. Aber im großen und ganzen bin ich recht ausgeglichen.

Die beste Zeit des Tages widmen wir uns unserer Arbeit. Kein Wunder also, dass sie so gegenwärtig ist, und wir so stark von ihr beeinflusst werden. Und dass mehr, als uns lieb ist. Da will man mal eben spontan die ganze Nacht saufen und niveauvoll im Swingerclub verkehren. Kannste knicken. Das geht nicht. Zumindest nicht in der Woche. Der Mensch MUSS am nächsten morgen ja früh raus. Er MUSS arbeiten gehen.

Dabei hat Platon schon vor mehr als 2.000 Jahren erkannt, dass die Grundvoraussetzung für gute Arbeit Muße ist.

Eben.

Der Mann meinte Muße. Nicht Müssen.

Und dieses universelle Missverständnis ist der Grund, denke ich, für unser angespanntes Verhältnis zur Arbeit.

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