Essstörungen und andere Erbrechen

17 Jan

Nudel- oder Kartoffelsalat? Kotelett oder Würstchen? Wer bringt Aspirin mit? Das waren die bedeutenten Fragen des Abends, wenn ich mich früher mit Freunden zum Essen getroffen habe. Meist waren das auch ganz entspannte Abende. Heute fragt das keiner mehr. Alle sind so ernährungsbewusst geworden. So gesund. Alle wollen fit bleiben bis ins hohe Alter. Oder sie wollen zumindest abnehmen.

Wenn ich heute drei Freunde zum Essen einladen will, brauche ich kein Kochbuch mehr. Ich brauche Mathenachhilfe. Weil ich für das Menü die Schnittmenge aus vegetarisch, vollwertköstlich und vegan bilden muss. Pi mal Daumen bleiben dann Nüsse und Datteln übrig. Und Löwenzahn  zum Beispiel . Für so ein Grün muss ich zum Glück nicht zum Markt laufen. Das ganze Unkraut wuchert direkt in meinem Garten. Und zwar in der Ecke, in der mein dicker Kater am liebsten markiert.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein paar Freunde zum Essen eingeladen, und alles war prima schnittmengenoptimiert. Aber dann kam Veggie unerwartet in Begleitung seiner neuen Freundin. Zu Glück ist die aber Bulimikerin. Ich habe dann einfach noch reichlich minderwertige Kohlenhydrate auf den Tisch gestellt. Unterm Strich ist es ja egal, was sie da wieder raukotzt. Wegen der Menge war ich zunächst etwas besorgt, die langen ja bekanntlich ordentlich zu. Zum Glück macht sie aber gerade KDH – Kotz Die Hälfte.

Und wie immer in diesen gesunden Runden, meldet sich dann im Laufe des Abends mein schlechtes Gewissen. Warum sind die anderen so erleuchtet und ich so unterbelichtet? Warum bin ich innerlich so vergiftet und die anderen so rein? Und, warum schmeckt das alles hier so scheiße?

Für solche Momente, wenn mein Geist stark, aber mein Fleisch schwach ist, habe ich ein Kotelett mit Kartoffelsalat im Badezimmer versteckt. Im  Wäschekorb wartet meine eingetupperte Schlechtkost auf mich. Und die lasse ich mir heimlich auf dem Klo dann richtig gut schmecken. Aus Protest stecke ich mir noch einen Erbeer-Lolly in den Po. So, ihr könnt mich jetzt alle mal. Mir schmeckt´s und es macht mich glücklich.

Und wie immer nach solchen Abenden, bin ich am nächsten Morgen aufgewacht, mir war schlecht, und ich bin zur Toilette getorkelt. Meine Pipi war gallegrün. Das Ende! Eine Vergiftung im Endstadium! Da kann nur noch der Notarzt was tun. Und wenn, auch nur noch den Totenschein ausstellen.

Gut das der Mann gleich kam. Er diagnostizierte eine äußerst seltene Mischfarbe 1. Grades. Aber die hatte nichts mit meinem Soilent-Grün-Menü vom Vorabend zu tun, sondern mit meinem blauen Klostein. Puh! Noch mal gutgegangen. Aber, die Völlerei muss endlich ein Ende haben.

Da steh´ ich nun ich armer Thor und bis so krank wie nie zuvor!

Ich Idiot! Ich könnte den Krebs besiegen, Aids, Demenz, Flatulenz und andere Geiseln der Menschheit. Ich könnte Salatdressing teilen oder wenigstens drüberlaufen.

Dafür müsste ich mich gesund ernähren und ausschließlich nur das fressen, was die Ernährungs-Gurus vorkauen. Dann werde ich nie krank. Niemals. Dann wird sich jede Zivilisationskrankheit vor mir fürchten. Denn ich habe Superkräfte, wie ein Highlander. Und es kann ja nur einen Kohlkopf geben.

Und an dieser Stelle frage ich mich immer wieder, was diese Besser-Esser denn so dahinrafft.  Woran sterben Veganer? Laufen die vor den Bus? Oder Rohköstler? Verwelken die?  Ich weiß es nicht.

Aber, die viel spannendere Frage lautet doch, wo gehen sie danach hin?

Das Paradies kann es ja keinesfalls sein, Früchte vom Baum pflücken ist da nicht so gern gesehen. Das ist der vitamine Super-Gau. Einmal genascht, und man hat lebenslanges Hausverbot.

Fahren die zur Hölle? Da wird traditionell ja geschmort und geröstet. Hier verkochen alle Vitamine und verpuffen alle Nährstoffe. Hierher verirrt sich bestimmt auch kein Besseresser.

In die ewigen Jagdgründe? Da kriegen einen Vegetarier doch keine 10 Pferde rein.

Wenn diese Gesund-Esser mal von uns gegangen sind, wo gehen sie anschließend hin? Irgendwo müssen sie doch hin. Antimaterie muss es ja schließlich auch irgendwo hin.

Deswegen habe ich mir ein neues Jenseits ausgedacht, und bitte jetzt mal alle Bauernfänger und Freizeit-Gurus um ihre geschätzte Aufmerksamkeit, denn hier ist noch so viel Potential für irdische Abzocke vorhanden:

Bienen spucken Honig durch die Lüfte, Sojamilch fließt in Sturzbächen die Hänge herab und der Joghurt dreht selbstverständlich nur rechts herum. Hier schmeckt sogar das Tofu und besitzt auch seine eigene Farbe. Und am Flussufer sitzt eine Gruppe Chinesen und schnitzt filigrane Tier-Silhouetten aus Bio-Möhren.

Die todsicheren Tipps, wie man in das Ernährungsparadies hineinkommt, kann man in der Guru-Fibel nachlesen. Die Fibel-Bibel wäre allerdings noch zu drucken. Und noch zu texten.

Also, wenn Sie noch einen Texter brauchen, ich könnte das für sie machen…

Zahlzeit! Und guten Profitit!

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Eine Antwort to “Essstörungen und andere Erbrechen”

  1. pascalpierre Januar 17, 2011 um 10:43 pm #

    das Kotelett aber bitte nur mit ohne Knochen und den Kartoffelsalat ohne Speck. ansonsten lade ich mich auch gerne spontan selber zum essen ein *g*

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