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Inkasso für Anfänger

5 Okt

Manchmal, wenn es mit meiner Kunst gerade nicht so gut läuft, muss ich umso kreativer werden in Sachen Geldverdienen.

Neulich abends, bei einem guten Tetra-Pack Rotwein, las ich folgende Anzeige: „Bestelle bei einem, dir völlig Unbekannten einen Container geschnitzte schiefe Eiffeltürme gegen Vorkasse, die du dann gewinnbringend weiterverkaufst.“

Es klang verlockend, und in Gedanken hing ich schon zwischen zwei Palmen in einer Hängematte. Völlig beschwingt von der Vorstellung überwies ich sofort an die 75-stellige Kontonummer. Und wartete. Und wartete.

Nach einer gefühlten Wartezeit, die der Bauzeit des echten Stahlfachwerkturms schon verdächtig nahe kam, fing ich an zu zweifeln. Vielleicht hatte sich ein Zahlendreher eingeschlichen? Vielleicht dauern Überweisungen nach Dasgeldistfutschistan einfach nur länger? Oder, ich wurde einfach nur verarscht.

Wie es dann so kam. Die Ware kam nicht, und ich war jetzt so richtig pleite. Und das bedeutet bei mir immer Furchtbares: ein Job muß her.

Ich hatte Glück. In meinem Haushalt wurde gerade ein professioneller Geldeintreiber gesucht, und ich bewarb mich sofort. Leider war ich nicht meine erste Wahl. Mein Hochschulabschluss und mein kultiviertes Wesen waren ein echter NO-GO. Aber ich konnte Inkassoerfahrung vorweisen. Theoretisch zumindest. Denn ich bin ein Mafia-Film-Fan. Ich litt mit den Corleones. Alle drei Teile hindurch. Ich ging mit ihnen solidarisch auf die Matratzen. Wegen der Pate-Filmmusik habe ich sogar das Akkordeonspielen erlernt.

Insofern war es für mich ein leichtes zu erkennen, in welchen Fällen man tote Fische auf die Fußmatte legt, und ab welcher Mahnstufe man auf Pferdeköpfe umsattelt. Meine Fischallergie verschwieg ich allerdings, und meine Sommerferien 1988 auf dem Reiterhof auch. Ich wollte diesen Job unbedingt, und deshalb versprach ich, mich nach Feierabend weiterzubilden. Über Zement zum Beispiel. Ich gab mir den Job und konnte sofort anfangen.

Auf der Internetseite, auf der ich den Container Geschnitztes bestellt hatte, fand ich die Büroadresse einer Du-mich-auch-AG, eingetragen auf einen Fredo F. Als gute Geldeintreiberin fuhr ich sofort hin und hörte mich erst einmal unauffällig in der Nachbarschaft um. Dabei lernte ich den Poststellen-Betreiber und den Grundschullehrer kennen. Bei dem Informanten handelte es sich nicht, wie zunächst angenommen, um eine multiple Persönlichkeit, sondern um ein sehr kleines Dorf.

Wie ich erfuhr, war die kleinkriminelle Ader bei Fredo bereits in der Grundschule auffällig gewesen. Damals hatte er schon versucht, Buchstaben, vorzugsweise das seltene Y, aus dem Alphabet zu stehlen und anderen Grundschulen unter der Hand anzubieten. Später dann  wollte er im osteuropäischen Ukulele-Import/-Export Fuß fassen. Irgend etwas lief aber schief, seitdem humpelt er. Das inspirierte ihn wohl zu den schiefen Eiffeltürmen. Das halbe Dorf hat für ihn geschnitzt. Die Produktion ruht aber bis auf weiteres, da er versehentlich die andere Hälfte bezahlt hatte.

Fredos Nachbar war eine echte Plaudertasche – und mein Aufzeichnungsgerät lief heimlich mit. Ich hatte genügend Information über die Zielperson zusammen. Fredo war ein harter Hund, aber mit diesen Informationen würde ich ihm ein Angebot machen, das er nicht ausschlagen kann:

Fredo,

wenn Du dass liest, bist du vielleicht schon nicht mehr. Diesmal hast du dich mit den Falschen angelegt. Jene Bestellung war im Auftrag der berüchtigten Eifel-Familie, die in sämtlichen Souvenirläden der Region das Kitschmonopol übernehmen will.

Die Clan-Mitglieder sind mächtig sauer. Ich habe sie leise flüstern hören über Ukulele-Belastungstests. Wie lange glaubst du, kann das menschliche Ohr „Ein bisschen Frieden“ ertragen, bevor es sich verflüssigt? Man munkelt, Florian Silbereisen steht mit der Familie ganz dick, und er ist ihnen noch einen Gefallen schuldig.

Fredo, wenn du mir mein Geld überweist, sagen wir, innerhalb der nächsten zehntel Sekunde, könnte ich noch ein gutes Wort für dich einlegen. Ansonsten sehe ich mich gezwungen, den Zement schon mal anzurühren. Ich habe da gerade ein neues Rezept gelesen. Zieht schwer nach unten und gelingt immer. Vielleicht ein letzter Gruß von jemandem, der nur sein Bestes zurück will.

Eine hundertstel Sekunde später war das Geld wieder auf meinem Konto. Gerade noch rechtzeitig, denn mittlerweile war ich so knapp bei Kasse, dass ich schon den Belag mit Brot essen musste.

Und dann habe ich vorhin einen todsicheren Tipp bekommen. Eine Kiste mit seltenen Primzahlen ist vom LKW gefallen. Bei Barkauf gibt es sogar eine Quadratwurzel gratis obendrauf. Gute Gelegenheiten wittere ich sofort.

Also, ich bin dann mal weg. Geschäfte. Ihr wisst schon.

Hundeleben

30 Aug

Tiere in freier Natur und artgerechter Haltung sind irgendwie immer tätig. Sie sammeln Essbares, bauen Nester, schaben hier, buddeln da. Sie lausen sich, zwitschern munter vor sich hin. Oder sie sind damit beschäftigt still dazuliegen, so wie mein Hund Zorro, in seinem Premium-Hundekorb. Diese Tiere wirken zufrieden auf mich.

Meine Großeltern waren auch immer beschäftigt. Bereits vor dem Frühstück mussten die Tiere versorgt werden.  Danach wurde auf dem Feld gearbeitet. Oder am Haus gewerkelt, Käse gemacht, Marmelade gekocht, Sauerkraut eingelegt, ein Huhn geschlachtet, ein Kind gezeugt, Schnaps gebrannt, ein Schwein kastriert oder eine Cousine verheiratet. Es ging auf ihrem Hof eben so zu, wie es in vielen serbischen Dörfern in den 70er Jahren zuging.

Es war ein mühseliges Leben. Dennoch habe ich meine Großeltern niemals unzufrieden gesehen. Davon konnte ich mich in meinen Sommerferien regelmäßig überzeugen. Als Stadtkind war ich felsenfest davon ueberzeugt,  dass es an der wilden freien Natur und ihrer artgerechten Haltung lag. Es war ein selbstbestimmtes Leben, und es wurde täglich nur das gemacht, was meine Großeltern für richtig hielten. Die einzige, die meinen Grosseltern etwas vorschreiben konnte, war die Natur. Jede Taetigkeit hing vom richtigen Zeitpunkt ab: Saat aussetzen, Ernten, Schlachten, Cousinen verheiraten. Wurde die Saat nicht spätestens Februar gesetzt, würden die Stecklinge die sengende Mai-Sonne nicht überleben. Geschlachtet wurde im Herbst, und unverheiratete Cousinen wurden bis spaetestens 20 an den Mann gebracht.

Wenn meine Großeltern Geld brauchten, um Salz und Petroleum zu kaufen – eines der wenigen Dinge, die sie nicht selbst herstellten – fuhren sie auf den Markt und verkauften das, was sie entbehren konnten an Gemüse, Obst, Tiere oder unliebsamer Verwandtschaft.

Sich einfach hinzusetzen und nichts zu tun, das wäre meinen Großeltern nicht in den Sinn gekommen. Denn Arbeit gab es ja immer. Man wollte ja schliesslich eine reglemässige Mahlzeit auf dem Tisch haben. Ebenso frisches Trinkwasser. Und ein Dach über dem Kopf. Also haben meine Großeltern so lange Lehm mit Stroh vermischt und aufeinander gklatscht bis ein Haus draus wurde.  Sie haben nicht eher aufgehört zu  buddeln, bis sie auf trübes Grundwasser stiessen, welches immer wieder nachsickerte. Ausreichend genug, um einige Nutztiere damit zu tränken. Und die Überpopulation junger Kätzchen zu er…. Ach, lassen wir das.

Das eigene Trinkwasser musste allerdings geholt werden. Ein Mal am Tag machte sich mein Großvater auf den Weg, um frisches Trinkwasser zu besorgen, aus einer in etwa 500 Meter entfernten natuerlichen Quelle. Dazu trug er eine selbstgeschnitze Holzstange quer über seinen Schultern.  An den Enden waren längliche Vertiefungen eingekerbt. Tief genug, dass die Griffe der silbernen Metalleimer sicher darin verankert lagen. Mein Grossvater schleppte jeden Tag rd. 60 l Wasser, verteilt auf vier Eimer, einmal quer über seinen Acker.

Das Trinkwasser kam aus einem Felsloch. Man konnte bequem mit dem Arm hineingreifen und das klare Wasser mit einer Kelle abschöpfen. Die Kellen waren keine Plastik-Kellen. Es waren getrocknete Kürbisse mit dickem Bauch und langem schlankem Hals, der als Griff diente. Der Bauch wurde der Länge nach aufgeschnitten und ausgehöhlt.

Wieder zurueck in Deutschland gab es dann immer die gleichen Sommerferien-Geschichten zu hoeren:. Sandburgen bauen an der Nordsee, Rehegucken in der Lueneburger Heide. Kaffe und Kuchen bei Tante Lisbeth im Schwarzwald.

„Ach! Ihr habt doch alle keine Ahnung! Ich hab mir meine eigene Kelle geschnitzt. Mein Onkel brachte mir das Schiessen bei. Wir haben Rehe nicht nur geguckt, wir haben sie auch gegessen. Und ich war Brautjungfer bei meine Cousine  und durfte den ganzen Abend selbstgebrannten Sljivovic trinken.“

Das hab ich natürlich nicht gesagt. Nur gedacht. Irgendwie fand ich meine Sommerurlaube in den transsylvanischen Bergausläufern, verglichen mit Sommerferien an der Nordsee ziemlich anders. Irgendwie Hühnerfüsse statt Lachsbrötchen.

Trotdem. Insgeheim fühlte ich mich besonders. Sollten Ausserirdische jemals unsere Städte angreifen und alles in Schutt und Asche legen, ich würde souverän in den Wald rennen und dabei Gloria Gaynors „I will survive“ trällern. Von Bambi gucken und Rumsitzen am Kaffeetisch wird man halt nicht satt . Aber ich würde würde klarkommen. Meine Grossmutter hat mir beigebracht, welche Pilze giftig sind, und dass man sich Schlangen vom Leib hält, wenn man stampfend durch das hohe Gras läuft. Ich hab beim Hühner Schlachten geholfen. Und ich weiß, dass Hühnergedärme durchaus gut schmecken können, wenn man ordentlich Zwiebeln und Paprika dranmacht.

Dieses gute Gefühl begleitet mich schon mein ganzes Leben. Immer, wenn ich mal meinen Job verliere, sagte ich mir. „Was soll´s. Wer braucht schon Geld. Werd ich halt Selbstversorger. Ich gehe einfach auf unseren Bauernhof. Der liegt ja schon eine Weile brach. Gehört ja praktisch mir. Und nebenbei mache ich da ein irre teures Bootcamp auf. Für gestresste Top-Manager ohne Bodenhaftung, die sich in der Wildnis wieder erden wollen.“

Leider durchkreuzte mein Onkel meinen Lebensplan-B . Während des Bürgerkrieges schmiss er seinen unbezahlten Job als Ingenieur und kehrte der Hauptstadt Belgrad seinen halb verhungerten Rücken. Er ging zurueck auf`s Land, auf unser altes Familien-Gut. Innerhalb eines Jahres reaktivierte er den Hof, und er erblühte wieder wie in alten Tagen. Während dieser Zeit heiratete er eine Cousine 2. Grades. Schlecht fuer mich. Offensichtlich besaß diese Cousine einen Pfandschein, der beweisen konnte, dass mein Ur-Ur-Großvater  bei einem verhängnisvollen Kartenspiel einige Parzellen Land an ihre Familie verspielt hatte. Mein Erbanspruch war somit dahin.

Ich bin leider nie mehr wieder dort gewesen. Ich blieb in der Stadt hängen. Was soll´s. Mach ich eben Karriere. Gibt Schlimmeres. Ich bin ein guter Verlierer. Ist eh bequemer. Supermarkt in Fußnähe. Marmelade, Käse, Milch. Liegt alles abgepackt in den Regalen. Trotzdem finde ich es beruhigend zu wissen, wie ich im Notfall Käse, Brot, Sauerkraut und ein schnelles Pilzragout zaubern kann. Und Paprika und Tomaten gedeihen auch im Penthouse.

Mein serbischer Großvater und meine rumänische Grossmutter wussten. Willst du Tomaten? Dann sähe Tomaten. Willst du den Petrovic-Hof? Dann heirate Petrovics´Tochter. Willst du deinen Hof behalten? Dann vermehre dich schneller als die Albaner. Meine Großeltern haben noch direkt für Ihren Lebensunterhalt gearbeitet. Ihr Chef war die Natur. Ihr Verdienst die Naturalien.

Wir Städter nehmen traditionell lieber Geld statt Naturalien. Inflationstechnisch gesehen bleibt ein Ei immer  ein Ei. Aber das Dutzend kostet plötzlich 99 EUR. Wär mir persönlich dann zu teuer. Und dann wäre mir lieber, mein Kunde bezahlt mich mit Eiern. Macht er aber nicht. Hab ich Idiot ja vertraglich so mit ihm vereinbart. Ich wollte ja lieber buntes Papier mit Zahlen drauf. Und nun hab ich den Salat. Oder eben nicht.

Deshalb, liebe Städter,  werfen wir unsere Samen alle gemeinsam aus. Damit  Tomaten und Paprika in unseren Städten ungehindert wuchern können. Höhlen wir endlich unsere unnützen Zierkürbisse aus. Legen wir uns Huehner an. Kündigen wir unsere Rister-Rente und den Wertpapier-Fond. Und investieren statt dessen in Imker-Beteiligungen und Streuobstwiesen. Lasst uns Wände einreissen und Eigentumgswohnungen taktisch zusammen schliessen.

Aber zuerst muss ich dringend  mal meinen Schreitisch verlassen und mehr Zeit in der Natur verbringen. Meiner artgerechten Haltung zuliebe.

Komm Zorro. Gehen wir ein bisschen Gassi.

Pein und Peinlichkeiten

14 Aug

Ach, was waren das für schöne Momente. Als meine Babies noch klein waren. Und im Grunde nichts taten. Es waren einfache Zeiten, mit einfachen Regeln. Sie lagen meist genau an der Stelle, an der ich sie zuvor abgelegt hatte. Frühstück war immer morgens zwischen drei und vier. Und die Windel wurde befüllt, genau an der 100-Meter-Marke nach Verlassen des Hauses.

Ihre Ansprüche waren ebenfalls simpel. Man konnte das Leben auf eine überschaubare Formel bringen: ESKK – Essen, Schafen, Knuddeln und Kacken.

Auch waren sie leicht zu unterhalten. Einfache Grimassen, ein Haitaitai-Knuddi-Puddi-Schubbeldidupp, und schon strahlten die dicken Mopsbacken.

Meine übermüdete Fresse, die strähnigen Haare und den Spinat von gestern, auf meinem T-shirt von vorgestern, nahm mir keines meiner Kinder jemals übel. Ich sah furchtbar aus und roch noch schlimmer. Das alles spielte aber keine Rolle. Denn ich war für sie ihre Heldin im Babykotze-Bademantel, die Trash Queen of the Castle, the Flodder of the Pack.

Die schönen Zeiten sind nun offensichtlich vorbei. Aus Babies werden Teenager. Und Dinge werden komplizierter. Denn Komplexe wachsen bekanntlich mit den Kindern.

Neuerdings bin ich meinen Kinder nur noch peinlich. Ständig bekomme ich von meiner Brut zu hören, das man dies & das nicht mehr machen sollte in meinem Alter. Ich bin peinlich wenn ich lache, wenn ich singe, wenn ich im Schwimmbad vom Fünfer eine Arschbombe springe. Wenn ich also diese ganzen lebensbejahenden Dinge tue.

“Entschuldigung sie bitte unsere Mutter, aber die lebt noch”.

Neulich wollte unsere älteste Tochter das erste Mal auf ein Rockkonzert. Dafür ist sie eigentlich noch zu jung. Also bin ich mitgegangen. Und was muss ich mir zum Dank anhören?

“Boah, Mama, ist schon peinlich genug, dass du mitkommst.
Aber bitte, nimm sofort das Pappschild runter. Das ist M-E-G-A-peinlich!
Und weiß Papa eigentlich, dass da draufsteht: Ich will nur Sex von dir! Kinder hab ich schon?!”

Diese undankbare Brut.

Denken meine Kinder einmal darüber nach, wie ich mich fühle? Wenn mein Sohn glaubt, den Swag zu haben? Aber nicht einmal einen Gürtel besitzt? Seine Hose hängt extrem tief. Die ganze Unterhose kann man sehen. Ich will die nicht sehen. Ich kenne diese Unterhose. Ich muß die ständig gewaschen.
Dann steht er mir auch noch den ganzen Tag breitbeinig im Weg herum. Weil sonst ja die Hose rutschtschen würde. In die Kniebeuge.

Oder nehmen wir meine Tochter. Muss die denn auf jedem T-Shirt vorne so ein blödes Katzengesicht tragen? Überhaupt, warum hat diese Katze eine alberne Schleife auf dem Kopf? Aber keinen Mund? Und wie gelingt der dämlichem Katze dieser dümmliche Gesichtsausdruck? So ganz ohne Mund?

Manchmal möchte ich am liebsten rufen: “Tschüss, Kitties! Bleibt, wo ihr seid“.

Gelegentlich ist mir danach, sie in freier Wildbahn irgendwo auszusetzen. Wie Hänsel & Gretel. Und dann möchte ich am liebsten ganz schnell wegzulaufen. Also, vor meiner Tochter. Was meinen Sohn betrifft, reicht auch gemütliches Schlendern. Der holt mich eh´nicht ein, in seiner Grätschhaltung.

Tu ich das? Nein. Natürlich nicht. Denn ich bin ihre Mutter. Ich begleite sie loyal durchs Leben. Wenigstens bis zur modischen Vollreife.

Jetzt hab ich mich aber heißgeredet.
Ich muss dringend meine Hitzewallung etwas abkühlen.
Ich geh dann mal los ins Schwimmbad.

Es wird Zeit für meine tägliche Arschbombe.

Ich fliege 1st Comedy Class

12 Aug

Mensch Kinder, was waren das für zwei verrückte Tage. Was haben wir gelacht. Was haben wir gelitten.

Ich befinde mich auf meinem Heimflug, und ich schreibe diesen Text gerade in 11.900 Meter Fallhöhe unter heftigen Turbulenzen. Eigentlich schreibe nicht ich das. Es ist mein Gefühlschaos, dass hier kraftvoll in die Tasten haut. Ein peinlicher Anfall von Rührsehligkeit ist der offensichtliche Trigger. Und der wird noch vielfach verstärkt durch ein Warsteiner Pils auf nüchternen Magen. Serviert hat mir die lauwarme Dose eine Saftschubserin im Praktikum, die mit meiner nicht-safthaltigen Bestellung vor eine echte Challange gestellt wurde.

Es tut so gut zu wissen, dass es euch liebenswerten Bekloppten da draussen gibt. Ihr habt mich alle wie der Blitz ins Herz und Hirn getroffen. Ich hab´ wieder leise Hoffnung, dass nicht ich die Verrückte bin, sondern dass es noch ein paar sensible Seelen da draussen gibt, die den Alltagswahnsinn auch als solchen erkennen. Offensichtlich tragen wir ähnliche Brillen auf der Nase. Mit Kassengestellen aus Oberursel.

Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja wieder einmal. Zum Beispiel in Herne. Hannover ginge zur Not auch. Falls dann Messe ist, und alle Hotels ausgebucht sind, bringe ich meine 4-Meter-Matratze mit. 7-Zonen-Komfortschaum und 3-Kammer-Viskosekern, sowie fünfach-Springfederbuster mit hervorragender Punktelastizität. Also noch weicherererer. Da passen wir alle locker drauf. Darauf fände sich sogar noch Platz für Kuscheltiere und Würgeschlangen jeder Art. Falls jemand das mitbringen möchte.
Basti bringt in jedem Fall den Kartoffelsalat mit. Aber Paco lässt die Panflöte besser zu Hause. Der Termin müsste allerdings für Frau Fobbe lehrerkompatibel in den Schulferien liegen. Und dann üben wir zusammen, wie wir locker und gelassen 30 Minuten Comedy auf der Bühne hinbekommen.

Ich wüde mich sehr freuen, wenn Thorsten auch käme. Aber ich befürchte, er wir es nicht rechtzeitig schaffen. Schliesslich muss er sich um Kaya Yanar kümmern. Und sich die Sorgen von Rüdiger Hoffmann anhören. Das zieht sich. Und dann sind da noch die Mitreisenden im Zug nach Hannover. Gewiss werden sie ihm ihre Lebensgeschichten und politischen Ansichten mitteilen wollen. Das kann dauern. Nimmt dir ruhig Zeit dafür, Thorsten. Wir heben dir noch etwas Kartoffelsalat auf.

Aber so wunderbar unberechenbar, wie das Leben nunmal ist, wird das so nicht eintreffen. Jeder von uns wird versuchen sein Ding zu machen, und hin und wieder mal mit einem Grinsen an das Wochenende in Köln denken.

Und wer weiß, in zwei, vielleicht drei Jahren, werde ich den Drang verspüren eine Auszeit nehmen zu wollen. Weil ich dem ganzen Erfolgsrummel und den Paparazzi mal für eine Weile entkommen möchte. Ich werde mich dann für ein paar Wochen zurückziehen. Nach Tibet vielleicht. Ein Schaolin-Kloster wäre schön. Und bei meinem Glück treffe ich da oben Norbert. Und dann werde ich mich fragen

WARUM HAB ICH NICHT DEN PONYHOF GEBUCHT?!

Alles Liebe und Gute von mir.

Ich drück´ euch an mein Triple-Mutterherz.

Bussi, Gita

Flow(p) oder Job

19 Feb

Ab und an lese ich auch mal Stellenanzeigen. Nicht unbedingt der Stellen wegen. Wozu auch?

Als ob ich nicht mit zehnsprachigen 23-jährigen Raketeningenieuren und ihren drei Auslandssemestern im Orbit locker mithalten könnte. Es sind häufig diese gesuchten Charaktere und ihre Typbeschreibungen, die mich vor der dem Job meistens abschrecken.

Der flexible, belastbare und kommunikationsstarke Typ erfreut sich ja einer zeitlosen Beliebigkeit. Stelle ich mir flexible, belastbare und kommunikationsstarke Menschen vor, sehe ich Labertaschen mit schwachem Rückgrat, die sich meist zu viel aufhalsen lassen. Dieser Typ ist ein echtes Arbeitstier. Wenn er erst einmal bei der Sache ist, lässt er sich durch nichts ablenken. Nicht mal mit Kätzchenvideos. Und zu seinen Kollegen ist er immer nett und hat für jeden stets ein freundliches „Mahlzeit!“ auf den Lippen.

Insgesamt kann ich da vom Typ mal wieder nicht dienen. Und so lasse ich es entmutigt mit der Bewerbung wieder einfach bleiben, und die Dinge so laufen, wie sie laufen.

Als kreativer Mensch hat man es eh nie leicht und auch seine Probleme mit gewöhnlichen Jobs. Ständig ist man damit abgelenkt seine geistigen Ergüsse auf Papier zu bringen. In keinem Fall darf man diese kreativen Flows mit etwas Unsinnigem stören. Wie mit einem bezahlten Job zum Beispiel. Niemals.

Es ist nicht so, dass wir arrogant oder faul wären. Wir sind einfach nur krank. Kranke Typen eben. Von einem Virus infiziert und befallen. Wir tragen den WARUM-Virus chronisch in uns. Wir fragen ständig und bei allem: WARUM? Wieso wir uns das fragen? Deshalb. Verstehen sie nicht? Sie sind ja auch nicht krank.

Ich möchte es ihnen anhand eines konkreten Beispiels einmal erläutern. Stellen sie sich einmal vor, ich sei eine Angestellte. Jeden Morgen also, wenn der Wecker mir rythmisch ins Hirn hämmert und mich anbrüllt „Steh auf, quäl dich durch den Berufsverkehr und mach andere Menschen reich mit deinen brillanten Ideen“; Ich würde mich langsam im Bett umdrehen und leise zurückfragen: “Warum?“.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob es das genau trifft, was ich ausdrücken möchte. Daher möchte noch ein weiteres Beispiel wählen. Stellen Sie sich jetzt einmal vor, ich wäre eine Gynäkologin. Jeden Tag würde ich also vor meiner Arbeit stehen und mich fragen: „Warum zeigt die mir das alles gerade? Und warum schaue ich überhaupt da hin?!“ Verstehen Sie jetzt?!

Und dann sind da noch die offensichtlich fragwürdigen Jobs. Investmentbanker sind das Paradebeispiel. Das leuchtet auch jedem sofort ein. Gefährlich sind aber diese Jobs, denen man die Verwerflichkeit nicht auf den ersten Blick ansieht.

Nehmen wir mal die Bäcker. Das glauben sie jetzt sicher nicht. Lassen sie sich nicht blenden von dem reinen Weiß. Seien sie doch nicht so naiv. Dieses Business ist so schmutzig! Denn, was die wenigsten wissen: In ganz großem Stil wird Hefe ausgebeutet. Diese armen Mikroorganismen machen doch die ganze Arbeit für das faule Bäckerpack. DIE machen doch, dass der Teig hochgeht! Die stemmen ihn hoch, mit ihren dünnen Ärmchen. Und wenn die ganze Arbeit erledigt ist, werden diese unschuldigen Kleinstlebewesen etwa bezahlt? Oder wird ihre Arbeit in irgendeiner Weise honoriert? Im Gegenteil. Sie werden umgebracht. Verbrannt. Bei lebendigem Leib. Das ist so schäbig!

In dieser Art und Weise können sie systematisch durch alle existierenden Branchen gehen, und sie werden auf widerliche, morbide und kranke Zustände stossen. Am Ende des Tages bin ich jedenfalls nicht überrascht, dass so viele Menschen auf Droge gehen.

Oder auf die Bühne.

Sternzeichen Stier, Aszendent Böse

12 Jan

Astrologen behaupten ja, dass Sternbilder unser Wesen und unseren Charakter bestimmen. Ich bin ein Idiot und kann also in Wahrheit nichts dafür. Ich finde, das hat etwas ungemein Erleichterndes, wenn man weiß, wem man die Schuld für alles geben kann. Zum Glück bin ich auch nicht der einzige Vollpfosten in meinem Sternzeichen. Bei 6,5 Milliarden Menschen sind das eine Menge Tore.

Ich glaube nicht an Sternbilder. Dann schon eher an gefakte Statistik. Und deswegen ist es wohl auch kein großer Zufall, dass Saddam und ich am selben Tag Geburtstag haben. Erinnert ich erinnert euch an diesen irakischen Diktator? An diesen verwirrten, zotteligen Massenmörder, den man in einem schmutzigen Erdloch fand? Und den man dann hingerichtet hat? Das ist mein Sternenverwandter. Mit dem habe ich jede Menge Sterne gemeinsam.

Hitlers Geburtstag habe ich  ganz knapp verfehlt. Der Führer befand aber immerhin, mein Geburtstag wäre ein prima Tag zum Heiraten. Leider hielt das Glück nicht lange, denn keine 36 Stunden später versuchten Adolf und Eva ihre Ehe zu annullieren. Mit einem Doppel-Suizid.

Die Führergeburtstagsverfehlung kann womöglich daran liegen, dass ich nur halbarisch bin. Der andere genetisch Teil in mir ist nämlich serbisch. Damit meine ich nicht Cevapcici, Adria-Urlaub oder den Bosnienkrieg. Ich meine diesen serbischen Scharfschützen, der auf einen österreichischen Monarchen schoss, und damit den 1.Weltkrieg auslöste.

Theoretisch sollte der serbische Sniper 20 Jahre ins Gefängnis. Aber was macht er, kaum das er im Kerker sitzt? Er stirbt. Selbstverständlich an meinem Geburtstag. Als ob schlechte Haftbedingungen ein Grund wären?

In meinem Sternbild des Schreckens darf Mussolini nicht fehlen. Der Duce, der Godfather of Faschismus. Zugegeben, er wurde zwar nicht am gleichen Tag geboren wie ich . Aber hingerichtet. Sogar zwei Mal. Erst hat man ihn erschossen, danach erhängt. Mit extrem bösen Menschen macht man das so. Sicher ist sicher.

Es gibt Frauen da draußen, die sprechen mit ihren Brüsten und geben ihnen Namen, wie Doopsy & Poopsy, oder Hans & Franz. Ich habe meinen Schultern Namen gegeben: Serbi & Deutschi. Eine schwere Erblast, die ich da schultere.

Es lässt sich leider nicht leugnen, dass ich schon von Geburt an erstklassige Anlagen mitbringe für die Verfolgung, Unterdrückung und vielleicht auch Eliminierung religiöser und ethnischer Minderheiten.  Aber was soll ich mit der Erkenntnis jetzt anfangen? Fürs Verfolgen und Unterdrücken habe ich eigentlich keine Zeit. Darum kann ich mich nicht auch noch kümmern.  Ich hab im Moment so viel um die Ohren. Mit meiner Arbeit, und der Familie. Und dann will ich auch noch regelmässig zum Sport.

Diese Horror-Skope. Hätte ich die nicht gelesen, würden meine dunklen Talente weiter im Verborgenen schlummern, und ich könnte weiter ruhig schlagen…äh, ich meine schlafen.

Ich bin ratlos.

Ich glaube, auf den Schreck pule ich mir erst mal einen Glückskeks auf. Und dann lese ich weiter.

Das geht mir esotierisch auf den Glückskeks

11 Jan

Auf meine Menschenkenntnis kann ich mich zum Glück ja verlassen. Und deswegen habe ich neulich auch nicht gezögert, meiner freundlichen Nachbarin meinen Hausschlüssel für Notfälle zu überlassen. Jetzt habe ich Hühnerknochen in meinem Basilikumtöpfchen stecken und kitschige Engelsfiguren in in jeder Ecke. Das gäbe mir eine positive Aura, sagt sie.

Ich glaube nicht an Engel. Auch will ich keine Hühnergräber zwischen meinem Basilikum. Ich will nur noch meinen Schlüssel zurück, ohne meine Nachbarin dabei wie einen esoterischen Einfaltspinsel dastehen zu lassen. Denn im Grunde ist sie eine arglose Seele.

Eigentlich bewundere ich Menschen, die die Gabe haben, mit Geistern und Engelswesen zu reden, und ich bin auch ein klein wenig neidisch auf sie. Ich selbst hatte als Kind nur einen eingebildeten Freund; Einen knapp 2.50 m großen Plüschhasen, der mich aber irgendwann wegen der schöneren Sandförmchen einer Anderen verlassen hat.

Ich sollte nicht spotten, denn bei genauerem Hinschauen stamme ich aus einer Seherfamilie. Meine rumänische Großmutter war nämlich eine begnadete Kaffesatzleserin, und ihr wahrsagerischer Ruf eilte ihr weit über die transsilvanische Dorfgrenze voraus.

In Liebes- und Viehzuchtfragen war meine Nana die letzte Instanz. Scharenweise pilgerte täglich verliebtes Bauernvolk auf einen starken und heißen Mocca zu ihr. Wenn man den Koffeinpegel über Tag immer schön konstant hält, kann einen diese psychoaktive Droge unglaubliche Dinge im feuchten Kaffeemehl entdecken lassen. Und was man alles darin lesen kann. Reichtum, Glück und ungeahnte Potentiale in uns, die entfaltet werden wollen. Wow!

Ich hab das auch mal versucht. Aber, ich habe im Grunde nur ein kleines einsames Mädchen mit dunklen Zöpfen gesehen, das einen kleinen süßen Hund – den es übrigens niemals haben durfte – Gassi führt. Geglaubt hat mir das nur keiner. Und dabei habe ich es so deutlich gesehen!
Unglaublich, wie viel Information in so einer kleinen Moccatasse gespeichert ist. Vielleicht ist Kaffeesatz ja das Silicon von morgen. Auf den zweiten Blick ist das auch gar nicht so abwegig. Wer hätte denn beispielsweise vor 20 Jahren geglaubt, dass man Silicon* in Brüste steckt?

Eine gute Alternative für Menschen mit Reizmagen und Teetrinker sind Tarot –Karten. Mit etwas irdischem Geld kann man sich so ein übersinnliches Blatt erwerben, und fantastisch in die Zukunft blicken. Es gibt sagenhafte 78(!) Möglichkeiten die ganzen Sensemänner, Jungfrauen und Narren in Kombination zu legen. Das bietet jede Menge Spielraum für persönliche Auslegungen. Und die stehen aber auf keinen Fall in Zusammenhang mit mathematischen Wahrscheinlichkeiten. Oder Zufällen. Die mystischen Zukunftsprognosen werden selbstverständlich gelenkt durch den unendlichen Kosmos. Was die Anzahl der möglichen Scharlatane so ins Unendliche steigert.

Ich selbst lasse mir ja nicht so gerne in die Karten gucken, und deshalb schiele daher hin und wieder in Horoskope. Oder knacke auch mal gerne einen Glückskeks.

Warum? Barnum**.
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* Ja, ja. Ist ja schon gut. Chips sind aus Silizium, und Brüste aus Silikon. Und „Silicon“ ist das englische Wort für Silizium. Jetzt hast du mit deiner Rechthaberei den ganzen Gag ruiniert. Und? Zufrieden?
** Mögliche Nebenwirkungen beim Googlen: Wirkt auf den kritischen Leser erhellend. Auf den Einfältigen eher verstörend.