Kopftuch vs. Kopf

17 Aug

Eine Iranerin erhält den Fields-Preis.

Für alle Mathe-Schwachen (und ich schliesse mich da nicht aus) sei erwähnt, dass es sich hierbei um die höchste Auszeichnung handelt, die eine Mathematikerin erhalten kann. Es ist sozusagen ein Nobelpreis für Rechenkünstler. Begehrt, wie ein Oscar bei Schauspielern.

Maryam Mirzykhani ist gleichzeitig auch die erste Frau überhaupt, der diese Ehre zu Teil wird.

Ich frage mich nun, was in so einem fundamental traditionalistischem Männerkopf nun vorgehen muss? Dessen dogmatische Kopftuch-Theorie sich auf genau drei Verse im Koran stützt? Die übrigens sehr vage, und dehalb von verschiedenen islamischen Strömungen auch verschieden interpretiert werden?

Die Riemannschen Vermutungen sind für Mathematiker der heilige Gral, den sie finden wollen. Maryam Mirzykhani wurde ausgezeichnet für ihre herausragenden Erkenntnisse bei Riemannschen Flächen. Ihre Arbeit hat dabei verschiedene Gebiete der Mathematik wie algebraische Geometrie, Topologie und Wahrscheinlichkeitsrechnung zusammengebracht.

Drei wackelige Koran-Verse gegen drei Königsdisziplinen der Mathematik.

Mathematik ist, wie jede Wissenschaft, eine sehr freiheitliche Denkmethode. Kein Kopftuch dieser Welt kann groß genug sein, einen solchen Freigeist zu verdecken.

Jede Theorie gilt nur so lange als gesichert, bis sie durch eine bessere, eindeutigere ersetzt wird. Der Mensch irrt sich quasi nach oben, zum Wissen. Zum Erkennen. Vielleicht sogar einmal zur Weisheit.

Wer glauben muss, was andere sagen, ist ziemlich unfrei.Wer allerdings weiß, dass das Wissen über unsere Welt nur voläufig und verbesserungswürdig ist, der hat die Freiheit seine Einstellung zu verändern.

In Ermangelung an Kopftüchern ziehe ich meinen Hut vor diesem genialen Kopf.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/maryam-mirzakhani-rohani-loest-debatte-ueber-kopftuch-aus-a-986480.html

Pein und Peinlichkeiten

14 Aug

Ach, was waren das für schöne Momente. Als meine Babies noch klein waren. Und im Grunde nichts taten. Es waren einfache Zeiten, mit einfachen Regeln. Sie lagen meist genau an der Stelle, an der ich sie zuvor abgelegt hatte. Frühstück war immer morgens zwischen drei und vier. Und die Windel wurde befüllt, genau an der 100-Meter-Marke nach Verlassen des Hauses.

Ihre Ansprüche waren ebenfalls simpel. Man konnte das Leben auf eine überschaubare Formel bringen: ESKK – Essen, Schafen, Knuddeln und Kacken.

Auch waren sie leicht zu unterhalten. Einfache Grimassen, ein Haitaitai-Knuddi-Puddi-Schubbeldidupp, und schon strahlten die dicken Mopsbacken.

Meine übermüdete Fresse, die strähnigen Haare und den Spinat von gestern, auf meinem T-shirt von vorgestern, nahm mir keines meiner Kinder jemals übel. Ich sah furchtbar aus und roch noch schlimmer. Das alles spielte aber keine Rolle. Denn ich war für sie ihre Heldin im Babykotze-Bademantel, die Trash Queen of the Castle, the Flodder of the Pack.

Die schönen Zeiten sind nun offensichtlich vorbei. Aus Babies werden Teenager. Und Dinge werden komplizierter. Denn Komplexe wachsen bekanntlich mit den Kindern.

Neuerdings bin ich meinen Kinder nur noch peinlich. Ständig bekomme ich von meiner Brut zu hören, das man dies & das nicht mehr machen sollte in meinem Alter. Ich bin peinlich wenn ich lache, wenn ich singe, wenn ich im Schwimmbad vom Fünfer eine Arschbombe springe. Wenn ich also diese ganzen lebensbejahenden Dinge tue.

“Entschuldigung sie bitte unsere Mutter, aber die lebt noch”.

Neulich wollte unsere älteste Tochter das erste Mal auf ein Rockkonzert. Dafür ist sie eigentlich noch zu jung. Also bin ich mitgegangen. Und was muss ich mir zum Dank anhören?

“Boah, Mama, ist schon peinlich genug, dass du mitkommst.
Aber bitte, nimm sofort das Pappschild runter. Das ist M-E-G-A-peinlich!
Und weiß Papa eigentlich, dass da draufsteht: Ich will nur Sex von dir! Kinder hab ich schon?!”

Diese undankbare Brut.

Denken meine Kinder einmal darüber nach, wie ich mich fühle? Wenn mein Sohn glaubt, den Swag zu haben? Aber nicht einmal einen Gürtel besitzt? Seine Hose hängt extrem tief. Die ganze Unterhose kann man sehen. Ich will die nicht sehen. Ich kenne diese Unterhose. Ich muß die ständig gewaschen.
Dann steht er mir auch noch den ganzen Tag breitbeinig im Weg herum. Weil sonst ja die Hose rutschtschen würde. In die Kniebeuge.

Oder nehmen wir meine Tochter. Muss die denn auf jedem T-Shirt vorne so ein blödes Katzengesicht tragen? Überhaupt, warum hat diese Katze eine alberne Schleife auf dem Kopf? Aber keinen Mund? Und wie gelingt der dämlichem Katze dieser dümmliche Gesichtsausdruck? So ganz ohne Mund?

Manchmal möchte ich am liebsten rufen: “Tschüss, Kitties! Bleibt, wo ihr seid“.

Gelegentlich ist mir danach, sie in freier Wildbahn irgendwo auszusetzen. Wie Hänsel & Gretel. Und dann möchte ich am liebsten ganz schnell wegzulaufen. Also, vor meiner Tochter. Was meinen Sohn betrifft, reicht auch gemütliches Schlendern. Der holt mich eh´nicht ein, in seiner Grätschhaltung.

Tu ich das? Nein. Natürlich nicht. Denn ich bin ihre Mutter. Ich begleite sie loyal durchs Leben. Wenigstens bis zur modischen Vollreife.

Jetzt hab ich mich aber heißgeredet.
Ich muss dringend meine Hitzewallung etwas abkühlen.
Ich geh dann mal los ins Schwimmbad.

Es wird Zeit für meine tägliche Arschbombe.

Alter, mach mich nicht schwach.

13 Aug

Gestern stand ich gutgelaunt im Bus und hing so meinen Gedanken nach, als ich bemerkte, dass mich ein junger Kerl anschaute. „Hola!“ dachte ich mir, was für ein lecker Kerl. Er guckte. Ich guckte. Dann kam er auf mich zu und sagte: „Setz dich ruhig hin Oma. Ich kann stehen. Ich hab noch starke Beine.“

Das fand ich jetzt irgendwie charmant. Aber auch irritierend. Ich bin doch nicht alt. Ich bin nur schon eine Weile am Leben. Alt sind andere. Nicht ich.

Alt zu sein ist irgendwie nicht besonders attraktiv in unserer Gesellschaft. Viele schummeln deshalb beim Alter und mogeln sich ein paar Jahre jünger. Ist vor allem so ein Frauending.

Das ist doch total erbärmlich. Man kann zu seinem Alter ruhig stehen. So wie ich. Ich sag´s ganz offen: Ich bin 42g und nächstes Jahr werde ich die Quersumme aus 5.

Einigen reicht das Schummeln aber nicht. Sie lassen auch an sich schnippeln und spritzen. Botox beispielsweise. Dieses Nervengift. Das würde ich ja nie nehmen. Genauso wenig wie Heroin. Ich hab nämlich Angst vor Spritzen. Und ich hätte Panik, dass man mir die Nadel zu tief ins Hirn rammt, Und dann nicht nur meine Falten lahm legt, sondern auch mein Denken.

Das ganze wäre mir auch zu chemisch. Ich bin eher der natürliche Typ. Wenn, dann kiffe ich höchstens ein bisschen. Und Facelifiting mache ich auf natürliche Weise. Zum Beispiel mit einem Pferdeschwanz.

Wenn man sich die Haare ganz streng nach hinten kämmt, dann zieht das die Epidermis gleich mit nach hinten. Das ist sehr praktisch. Denn das strafft total. Und die überschüssige Hautmasse, die sich am Hinterkopf bildet, dreht man dann zu einem kleinen, festen Fleischbällchen. Das kann man gut im Haargummi feststecken. Das hält bombenfest.

Ach, das wusstet ihr nicht? Ja was glaubt ihr, warum manche Frauen sogar einen Dutt tragen?

Die Falten an sich stören mich gar nicht so. Was mich schon eher nervt ist, dass die Kräfte nachlassen. Wenn man morgens aufwacht und sich denkt, “Komm. Bleibste besser liegen”.

Das hab ich von klein auf intuitiv gespürt. Deshalb habe ich mir schon Kind als immer Superkräfte gewünscht. Solche, von der Art, wie Fliegen können, durch Wände laufen, oder sich jeden Tag Schokolade zaubern. So viel man will. Aber ganz besonders habe ich mir gewünscht, ich könne mich unsichtbar machen.

Hey, und wisst ihr was? Es hat endlich geklappt. Wenn ich heute aus dem Haus gehe, bin ich unsichtbar. Kein Schwein guckt mich mehr an.

Statt dessen glotzen mir jetzt alte Männer hinterher. Alte Säcke in braunen Cordhosen mit Bügelfalte. Einer war bestimmt schon an die 50!

Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen das Altwerden. Ich sehe meinem körperlichen Verfall entspannt entgegen. Denn mein Körper hat mir in jungen Jahren treu gedient. Viele Körperteile haben einen fantastischen Job gemacht. Manche von ihnen sogar einen herausragenden. Das war ein professionell eingespieltes Team, und es hat mir jede Menge potentielle Männchen angelockt. Dank ihnen konnte ich eins fangen. Und herausgekommen sind am fruchtbaren Ende auch noch drei Kinder. Was will ich mehr?

Deshalb bin ich meinen Brüsten auch nicht böse, wenn die sich jetzt auch mal locker machen wollen. Sich mal einfach gehen und hängen lassen. Das dürfen die. Das haben sie sich verdient. Mussten ja viele Jahre lang stramm stehen. Und auch noch drei Kinder durchfüttern.

Vielleicht noch mal einen Mini-Job hier, oder eine geringfügige Beschäftigung dort. Aber mehr machen wir nicht. Jetzt sind andere mal dran. Sollen die sich doch abrackern. Wir machen uns locker.

Nicht wahr, Boobsy & Doopsy?

Ich fliege 1st Comedy Class

12 Aug

Mensch Kinder, was waren das für zwei verrückte Tage. Was haben wir gelacht. Was haben wir gelitten.

Ich befinde mich auf meinem Heimflug, und ich schreibe diesen Text gerade in 11.900 Meter Fallhöhe unter heftigen Turbulenzen. Eigentlich schreibe nicht ich das. Es ist mein Gefühlschaos, dass hier kraftvoll in die Tasten haut. Ein peinlicher Anfall von Rührsehligkeit ist der offensichtliche Trigger. Und der wird noch vielfach verstärkt durch ein Warsteiner Pils auf nüchternen Magen. Serviert hat mir die lauwarme Dose eine Saftschubserin im Praktikum, die mit meiner nicht-safthaltigen Bestellung vor eine echte Challange gestellt wurde.

Es tut so gut zu wissen, dass es euch liebenswerten Bekloppten da draussen gibt. Ihr habt mich alle wie der Blitz ins Herz und Hirn getroffen. Ich hab´ wieder leise Hoffnung, dass nicht ich die Verrückte bin, sondern dass es noch ein paar sensible Seelen da draussen gibt, die den Alltagswahnsinn auch als solchen erkennen. Offensichtlich tragen wir ähnliche Brillen auf der Nase. Mit Kassengestellen aus Oberursel.

Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja wieder einmal. Zum Beispiel in Herne. Hannover ginge zur Not auch. Falls dann Messe ist, und alle Hotels ausgebucht sind, bringe ich meine 4-Meter-Matratze mit. 7-Zonen-Komfortschaum und 3-Kammer-Viskosekern, sowie fünfach-Springfederbuster mit hervorragender Punktelastizität. Also noch weicherererer. Da passen wir alle locker drauf. Darauf fände sich sogar noch Platz für Kuscheltiere und Würgeschlangen jeder Art. Falls jemand das mitbringen möchte.
Basti bringt in jedem Fall den Kartoffelsalat mit. Aber Paco lässt die Panflöte besser zu Hause. Der Termin müsste allerdings für Frau Fobbe lehrerkompatibel in den Schulferien liegen. Und dann üben wir zusammen, wie wir locker und gelassen 30 Minuten Comedy auf der Bühne hinbekommen.

Ich wüde mich sehr freuen, wenn Thorsten auch käme. Aber ich befürchte, er wir es nicht rechtzeitig schaffen. Schliesslich muss er sich um Kaya Yanar kümmern. Und sich die Sorgen von Rüdiger Hoffmann anhören. Das zieht sich. Und dann sind da noch die Mitreisenden im Zug nach Hannover. Gewiss werden sie ihm ihre Lebensgeschichten und politischen Ansichten mitteilen wollen. Das kann dauern. Nimmt dir ruhig Zeit dafür, Thorsten. Wir heben dir noch etwas Kartoffelsalat auf.

Aber so wunderbar unberechenbar, wie das Leben nunmal ist, wird das so nicht eintreffen. Jeder von uns wird versuchen sein Ding zu machen, und hin und wieder mal mit einem Grinsen an das Wochenende in Köln denken.

Und wer weiß, in zwei, vielleicht drei Jahren, werde ich den Drang verspüren eine Auszeit nehmen zu wollen. Weil ich dem ganzen Erfolgsrummel und den Paparazzi mal für eine Weile entkommen möchte. Ich werde mich dann für ein paar Wochen zurückziehen. Nach Tibet vielleicht. Ein Schaolin-Kloster wäre schön. Und bei meinem Glück treffe ich da oben Norbert. Und dann werde ich mich fragen

WARUM HAB ICH NICHT DEN PONYHOF GEBUCHT?!

Alles Liebe und Gute von mir.

Ich drück´ euch an mein Triple-Mutterherz.

Bussi, Gita

Ich weiß was, was du nicht googelst, und das ist doof.

6 Jan

Mein Name ist Peta Pan. Natürlich ist das nicht mein richtiger Name. Wer heißt schon so beknackt. Es ist der Deckmantel für meine kleine unauffällige bürgerliche Existenz. Aber darunter verbirgt sich noch einiges mehr. Und das ist gar nicht so harmlos. Es ist die Rede von meinem Migrationshintergrund. Und der ist zweifelsohne ein genetisches Pulverfass.

Ich bin der Spross eines Serbo-Rumänen und einer Deutsch-Serbin. Der Familien-Legende nach wurde ich bei einem transsilvanischen Verwandtenbesuch auf dem serbischen Autoput in der Höhe von Belgrad gezeugt.

Zwischengeparkt wurde ich die folgenden 40 Jahre jedoch in Deutschland.

Wir Ihr merkt, sind das viele Nationen in mir. Das ist total schizophren. Da sind sehr viele Stimmen in meinem Kopf. Und jede brüllt in einer anderen, manchmal sehr vokalarmen Sprache.

Viele Menschen zucken zusammen, wenn sie hören, wer da alles in Personalunion vor ihnen steht, und versuchen ihr Missbehagen ungeschickt zu verbergen.

Lasst es.

Ich weiß genau, was ihr denkt. Denn Google hat´s verraten. Man kann Google fragen. Egal, was man wissen will. Google verrät es dir.

Ich habe einmal in die Google-Suche eingegeben: “Rumänen sind…”,

und die Autovervollständigung zeigte an erster Stelle….

”…Zigeuner”.

Natürlich. Man kennt das ja. Alles Bettler und Betrüger, die einen breiten BMW fahren und in Baracken leben. Warum wundert das denn noch irgendeinen? Kein Vermieter würde diesem fahrenden Volk eine feste Wohnung vermieten. Darum wohnen wir auch zugigen Bretterbuden. Was gar nicht so schlimm ist. Immerhin sparen wir viel Geld und können uns so ein dickes Auto leisten.

Ich war gespannt, was Deutsche über Serben denken.

“Serben sind….”böse” und “…schuld”.

Ok. Das weiß man ja. Das ist nicht neu. Das trägt man uns bereits 100 Jahre nach. Und dass nur, weil ein serbischer Attentäter den ersten Weltkrieg ausgelöst hat. >

Das spannendste habe ich mir zum Schluss aufgehoben. Das Bild über uns selbst. Was denken wir Deutschen über uns Deutschen?

Deutsche sind hässlich. Und Nazis. Was denn sonst. Auch mein deutscher Genpool erweißt sich als ein unerschöpflicher Quell an Erbschuld. Habe ich nicht schon den 1. Welkrieg genetisch auf dem Gewissen? Muss man mir auch den 2. noch ankreiden?

Ressentimetns, Vorurteile, Intoleranz. Unsere Köpfe sind voll damit. Spanier sind laut. Italiener die schönsten. Und Polen fleißiger als die Deutschen.

Der Mensch ist des Menschen Wolf. Und er ist das Maß aller Dinge.

Er ist der Nichtmigrant in seinem Land. In seiner eigenen Beschränktheit.

Jeder Kopf ist seine eigene Welt

7 Apr

Ich weiß nicht, wer diesen klugen Gedanken gefasst hat. Ich könnte das jetzt googeln. Aber es ist an dieser Stelle nicht relevant. Und darum geht es im Grunde nicht.

Nun bin ich etwa ein Jahr auf Twitter. Ich mag es. Mal mehr, mal weniger. Mit Twitter kann ich prima aus meinem Schreibtischdasein ausbrechen, wenn mir danach ist. Ich mag die Tonalität, die auf Twitter herrscht. Früher musste ich in die Kneipe gehen, wenn mir nach Konversation dieser Art war. Bei lauter Musik kann man eh nicht mehr als 140 Zeichen verstehen. Heute klinke ich mich ein in Twitter. Dort witzele ich herum, und poste mal mehr mal weniger seichte Erkenntnisse.

Jeder Tweet ist seine eigene Welt. Das könnt ihr jetzt gerne googeln. Aber ihr werdet nicht fündig. Denn diese Erkenntnis ist gerade von mir. Offensichlich habe ich mit meiner Art zu kommunizieren einen empfindsamen Twitterer dazu gebracht, mich zu entsternen, zu entfolgen und zu blocken.

Asche auf mein Haupt.

Ich habe diesen armen Kerl mit meiner Ironie einfach überfordert. So sehr, dass er auf keinen Fall mehr einer drogensüchtigen Mutter folgen will. Aber ich greife der Sache vor.

Es begab sich gestern nacht zu später Stunde. Ich war nicht müde und ging noch ein paar Auftrags-Texte durch. Um mich zu zerstreuen, schaute ich in meine Timeline und las folgendes:

Kann es sein, dass diese Til Schweiger-Filme ziemlich schlecht sind, aber trotzdem Kassenknüller? Was sagt das über das dt. Publikum aus?

„Wo er recht hat, hat er Recht“ war mein spontaner Gedanke. Leider schrieb ich das nicht so:

@gefuehlskruppel Objektiv gesehen schmecken Nudeln auch nach nix. Essen tut sie aber trotzdem jeder.

Die Antwort kam promt, wie in einer guten Screwball-Komödie:

@PetaPan2 Zu Nudeln als Grundlage kann ich jede Art von Geschmack hinzutun. Til Schweiger-Filme kann man aber höchstens mit Drogen ertragen.

„Gut pariert“, dachte ich und wollte noch eine ironische Kirsche draufsetzen:

@gefuehlskruppel lass einfach die Til Schweiger-Filme weg. Dann schmecken die Drogen besser.

Mit seiner Reaktion habe ich nun wirklich nicht gerechnet:

Erst mal Drogen konsumierende Mütter, die Til-Schweiger-Filme gut finden, entfolgen und blocken.

Ich war baff. Wie konnte er nur annehmen, dass ich Til Schweiger gut finde?!

Das hätte ich aber sollen. Wenn ich seine Tweets mal richtig gelesen hätte. Dann hätte ich verstanden, warum er sich auf Twitter gefuehlskrüppel nennt. Ich lerne wieder einmal daraus, dass wir noch viel behutsamer miteinander umgehen müssen. Dass wir besser aufeinander achten müssen. Dass wir Menschen da abholen müssen, wo sie stehen. Insbesondere im Netz.

Lieber Gefühlskrüppel,

ich hoffe, dass dich diese Zeilen einmal erreichen werden. Es war nicht meine Absicht, dich zu verletzen. Ich mache immer wieder den gleichen Fehler, und setze meine eigene mentale Robustheit bei anderen voraus. Ich mag euch Menschen. Ich hab mit euch meinen Frieden geschlossen. Ich kann eure Schwächen akzeptieren, und euch eure Stärken von Herzen gönnen.

Ja, du hast recht. Ich bin süchtig. Nach Erkenntnis, nach Wahrheit. Der Stoff, den ich konsumiere heißt Leben. Und mein Dealer ist die Welt.

Es war mir eine Ehre, dich in meiner Timeline gewußt zu haben.

Herzlichst,
Peta Pan.

Flow(p) oder Job

19 Feb

Ab und an lese ich auch mal Stellenanzeigen. Nicht unbedingt der Stellen wegen. Wozu auch?

Als ob ich nicht mit zehnsprachigen 23-jährigen Raketeningenieuren und ihren drei Auslandssemestern im Orbit locker mithalten könnte. Es sind häufig diese gesuchten Charaktere und ihre Typbeschreibungen, die mich vor der dem Job meistens abschrecken.

Der flexible, belastbare und kommunikationsstarke Typ erfreut sich ja einer zeitlosen Beliebigkeit. Stelle ich mir flexible, belastbare und kommunikationsstarke Menschen vor, sehe ich Labertaschen mit schwachem Rückgrat, die sich meist zu viel aufhalsen lassen. Dieser Typ ist ein echtes Arbeitstier. Wenn er erst einmal bei der Sache ist, lässt er sich durch nichts ablenken. Nicht mal mit Kätzchenvideos. Und zu seinen Kollegen ist er immer nett und hat für jeden stets ein freundliches „Mahlzeit!“ auf den Lippen.

Insgesamt kann ich da vom Typ mal wieder nicht dienen. Und so lasse ich es entmutigt mit der Bewerbung wieder einfach bleiben, und die Dinge so laufen, wie sie laufen.

Als kreativer Mensch hat man es eh nie leicht und auch seine Probleme mit gewöhnlichen Jobs. Ständig ist man damit abgelenkt seine geistigen Ergüsse auf Papier zu bringen. In keinem Fall darf man diese kreativen Flows mit etwas Unsinnigem stören. Wie mit einem bezahlten Job zum Beispiel. Niemals.

Es ist nicht so, dass wir arrogant oder faul wären. Wir sind einfach nur krank. Kranke Typen eben. Von einem Virus infiziert und befallen. Wir tragen den WARUM-Virus chronisch in uns. Wir fragen ständig und bei allem: WARUM? Wieso wir uns das fragen? Deshalb. Verstehen sie nicht? Sie sind ja auch nicht krank.

Ich möchte es ihnen anhand eines konkreten Beispiels einmal erläutern. Stellen sie sich einmal vor, ich sei eine Angestellte. Jeden Morgen also, wenn der Wecker mir rythmisch ins Hirn hämmert und mich anbrüllt „Steh auf, quäl dich durch den Berufsverkehr und mach andere Menschen reich mit deinen brillanten Ideen“; Ich würde mich langsam im Bett umdrehen und leise zurückfragen: “Warum?“.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob es das genau trifft, was ich ausdrücken möchte. Daher möchte noch ein weiteres Beispiel wählen. Stellen Sie sich jetzt einmal vor, ich wäre eine Gynäkologin. Jeden Tag würde ich also vor meiner Arbeit stehen und mich fragen: „Warum zeigt die mir das alles gerade? Und warum schaue ich überhaupt da hin?!“ Verstehen Sie jetzt?!

Und dann sind da noch die offensichtlich fragwürdigen Jobs. Investmentbanker sind das Paradebeispiel. Das leuchtet auch jedem sofort ein. Gefährlich sind aber diese Jobs, denen man die Verwerflichkeit nicht auf den ersten Blick ansieht.

Nehmen wir mal die Bäcker. Das glauben sie jetzt sicher nicht. Lassen sie sich nicht blenden von dem reinen Weiß. Seien sie doch nicht so naiv. Dieses Business ist so schmutzig! Denn, was die wenigsten wissen: In ganz großem Stil wird Hefe ausgebeutet. Diese armen Mikroorganismen machen doch die ganze Arbeit für das faule Bäckerpack. DIE machen doch, dass der Teig hochgeht! Die stemmen ihn hoch, mit ihren dünnen Ärmchen. Und wenn die ganze Arbeit erledigt ist, werden diese unschuldigen Kleinstlebewesen etwa bezahlt? Oder wird ihre Arbeit in irgendeiner Weise honoriert? Im Gegenteil. Sie werden umgebracht. Verbrannt. Bei lebendigem Leib. Das ist so schäbig!

In dieser Art und Weise können sie systematisch durch alle existierenden Branchen gehen, und sie werden auf widerliche, morbide und kranke Zustände stossen. Am Ende des Tages bin ich jedenfalls nicht überrascht, dass so viele Menschen auf Droge gehen.

Oder auf die Bühne.