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Peta Pan? Wer?

14 Dez

„Mach doch´ mal ´nen Witz. Du schreibst doch so witzig.“ Das ist meist die übliche Reaktion, wenn mein Umfeld mitbekommt, womit ich meine Zeit verbringe. In der Regel ist mir das peinlich und ich weiche  mit einer freundlichen Gegenfrage aus und erkundige mich nach dem Wetter, oder einfach nach dem Beruf meines Gegenübers. „Frauenarzt“, erwiderte neulich einer. „Mach´doch mal ´nen Abstrich“, konterte ich spontan und erntete schallendes Gelächter.

Dabei meine ich so etwas im Grunde ernst.

So ist das mit mir. Seit ich gerade denken kann, suche und versuche ich die Wahrheit zu sagen. Mit der Zeit habe ich aber gelernt auch mal die Klappe zu halten, und wie man unfreiwillige Komik vermeidet. Mittlerweile kenne ich mich gut aus mit  Humor-Mechanismen und wie sie funktionieren. Humor kann man regelrecht lernen. Er funktioniert nach bestimmten Regeln. Die zugegebenermaßen sehr trocken und theoretisch sind, und in etwa genauso spannend zu lesen, wie Binomische Formeln oder lateinische Deklinationen.

Unnötig zu erwähnen, dass ich mir vor Lachen den ganzen Tag die Oberschenkel wund klopfe. Und ich bin natürlich der schillernde Star auf jeder Party. Sobald ich den Raum betrete verstummen alle Gespräche und alles hängt gebannt an meinen Lippen. Die Frauen hassen mich für meinen brillanten Verstand und mein fantastisches Aussehen, und die Männer verfallen mir scharenweise. Selbstverständlich ist das ein ganz billiges Klischee, dass ich hier benutze. Aber der Rest, das ist schon mein größenwahnsinniger Wunschgedanke.

In Wahrheit bin ich eher der unauffällige Typ. Die meiste Zeit sitze ich herum und schaue. Schaue, was da so passiert in der Welt, und mache mir Gedanken darüber. Und, ob es überhaupt Sinn macht, sich so viele Gedanken zu machen. Humor ist, wenn man ihn nicht zum Spaß betreibt, eine verdammt ernste Sache.

Aber der Job kommt mir sehr entgegen, denn ich bin von Haus aus eher ein häuslicher Typ. Und deswegen verbringe ich die meiste Zeit zu Hause. Also, in meinem Haus. Meiner Höhle. Und da mache ich, das, was man eben so macht. Die Höhle sauber und trocken halten.  Ein paar Wandmalereien hier und da. Die Jungen großziehen und darauf aufpassen, dass da nichts Fieses reinkommt, während mein Mann draußen in der Wildnis ist, und das dicke Mammut jagt.

Ist es wirklich das, was du immer wolltest?

Das ist eine häufig gestellte Frage. Warum nicht? Es liegt doch immer an einem selbst, das Beste aus einem öden Job zu machen. Ich könnte beispielsweise so manches kreative Loch mit Hausarbeit stopfen, und nebenbei eine richtig miese Talkshow schauen. Oder, ich lasse mich absolut und reflektiert auf den Dreck ein. Und dann stellt man plötzlich erstaunt fest: Da wird dir die Welt erklärt, und du erhältst einen repräsentativen Querschnitt durch die Bevölkerung.  So viele offene Fragen finden auf einmal ihre Antworten, Wahlergebnisse und Amokläufe machen auf einmal Sinn.

Die vorherrschende Meinung ist ja, dass das Fernsehen dumm und passiv macht. Was ist aber, wenn ich , bevor ich den Fernseher anmache, im Vorfeld alle Aspekte meines wi(n)tzigen Daseins systematisch einmal gedanklich durchleuchte, und dann zu dem Schluss komme, dass mich das glotzen davon extrem ablenkt?  Dann ist das doch das Resultat eines vorangegangenen Reflexionsprozesses. Was ist denn so schlimm am Fernsehen? Also, mich regt es zum Nachdenken an.

Fühlst du dich nicht in die Frauen-Rolle der 50er Jahre zurückversetzt?

Wieso sollte ich? Hängt das denn nicht vom Standpunkt des Betrachters ab? Ich mag beispielsweise gutes Essen, also koche ICH. Ich mag es gerne kuschelig, also halte ICH die Höhle sauber. Dass da um mich herum noch Schmarotzer und Trittbrettfahrer sind – also meine Familie – damit kann ich leben.  Ich möchte es einmal so ausdrücken. Solange die nett zu mir sind, wird das Glück mit ihnen sein. Solange lasse ich meine Kinder in dem Glauben, sie wohnen im Hotel Mum & Cosy. Und meinem Mann möchte ich auch nicht unbedingt das nehmen, was er so liebevoll sein „Betreutes Wohnen“ nennt.

Nein, nein, und zum hundertsten Mal nein! Ich will kein AU-PAIR für meine Kinder!

Ich bin durch diese Schwangerschaftshölle gegangen. Entweder habe ich in jede freie Ecke gekotzt, oder ich habe permanent gegessen. Ich habe mir bei den Geburten Fleischwunden zugezogen, so groß, das kannte ich sonst nur aus Zombie-Filmen. Oder aus Rambo. Da gibt es diese Szene im ersten Teil, da ist Silvester Stallone auf der Flucht und verletzt sich, und eine offene Fleischwunde klafft da an seinem Oberarm. Zum Glück hat er aber sein Reise-Nähset dabei, und kann sich mit Nadel und Faden selbst vernähen.

Ja und?!? Mich hat man getackert. Im Schritt! Bei vollem Bewusstsein. Sonst wäre ich auseinander gefallen in zwei Hälften, wie Rumpelstilzchen. Soll diese Tortour umsonst gewesen sein? Auf keinen Fall. Jetzt bin ich mal dran, Mami will jetzt Spaß haben. Meine Kinder sollen MICH unterhalten. Sie sollen MICH zum lachen bringen, und nicht so ein tschetschenisches Kindermädchen!

Künstler sein und Kinder haben? Wie verträgt sich DAS denn?

Es herrscht ja die vorherrschende Meinung über Künstler, dass sie keine feste Bindungen haben wollen. Und keine Kinder. Wegen der künstlerischen Freiheit, und so. Keine Blockaden und keine Klötze, die die eigene Getriebenheit lähmen, bremsen und aufhalten, bei ihrer ewigen Suche nach Antworten und der Wahrheit.
Schnickschnack! Ich werde doch wegen so einem Vorurteil nicht eine meiner wichtigsten Inspirationsquellen einfach so weggeben? Selbst wenn, wohin mit ihnen? Die sind doch schon gebraucht. Die nimmt doch keiner mehr.

Kind sein, ist die ehrlichste menschliche Daseinsform.Kinder verstellen sich nicht. Kinder sind WYSIWYG – what you see is what you get. Von ihnen bekommen wir immer genau die Emotion, die sie im Moment verspüren. Kinder lieben bedingungslos. Sie grübeln nicht über Vergangenes und machen sich keinen Kopf über das, was morgen vielleicht sein wird. Sie sind einfach nur hier. Im Jetzt. Und deshalb genieße ich jeden Moment mit Ihnen. Selbst wenn Sie sich streiten und mir damit gewaltig auf die Nerven gehen.

Wie neulich. Bei einer Autofahrt. Da stritten sich meine kleinen Töchter wieder einmal über alles Mögliche. Wer die schönere Puppe hat, wer die schönere Lieblingsfarbe, und wer den schöneren Autositz. Da sagt auf einmal meine Fünfjährige: “ Dafür fährt Mama aber auf meiner Seite schneller als auf deiner.“

Ich bin zum Lachen sofort links rangefahren. Wie gesagt. Da ging es schneller.