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Kopftuch vs. Kopf

17 Aug

Eine Iranerin erhält den Fields-Preis.

Für alle Mathe-Schwachen (und ich schliesse mich da nicht aus) sei erwähnt, dass es sich hierbei um die höchste Auszeichnung handelt, die eine Mathematikerin erhalten kann. Es ist sozusagen ein Nobelpreis für Rechenkünstler. Begehrt, wie ein Oscar bei Schauspielern.

Maryam Mirzykhani ist gleichzeitig auch die erste Frau überhaupt, der diese Ehre zu Teil wird.

Ich frage mich nun, was in so einem fundamental traditionalistischem Männerkopf nun vorgehen muss? Dessen dogmatische Kopftuch-Theorie sich auf genau drei Verse im Koran stützt? Die übrigens sehr vage, und dehalb von verschiedenen islamischen Strömungen auch verschieden interpretiert werden?

Die Riemannschen Vermutungen sind für Mathematiker der heilige Gral, den sie finden wollen. Maryam Mirzykhani wurde ausgezeichnet für ihre herausragenden Erkenntnisse bei Riemannschen Flächen. Ihre Arbeit hat dabei verschiedene Gebiete der Mathematik wie algebraische Geometrie, Topologie und Wahrscheinlichkeitsrechnung zusammengebracht.

Drei wackelige Koran-Verse gegen drei Königsdisziplinen der Mathematik.

Mathematik ist, wie jede Wissenschaft, eine sehr freiheitliche Denkmethode. Kein Kopftuch dieser Welt kann groß genug sein, einen solchen Freigeist zu verdecken.

Jede Theorie gilt nur so lange als gesichert, bis sie durch eine bessere, eindeutigere ersetzt wird. Der Mensch irrt sich quasi nach oben, zum Wissen. Zum Erkennen. Vielleicht sogar einmal zur Weisheit.

Wer glauben muss, was andere sagen, ist ziemlich unfrei.Wer allerdings weiß, dass das Wissen über unsere Welt nur voläufig und verbesserungswürdig ist, der hat die Freiheit seine Einstellung zu verändern.

In Ermangelung an Kopftüchern ziehe ich meinen Hut vor diesem genialen Kopf.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/maryam-mirzakhani-rohani-loest-debatte-ueber-kopftuch-aus-a-986480.html

Alter, mach mich nicht schwach.

13 Aug

Gestern stand ich gutgelaunt im Bus und hing so meinen Gedanken nach, als ich bemerkte, dass mich ein junger Kerl anschaute. „Hola!“ dachte ich mir, was für ein lecker Kerl. Er guckte. Ich guckte. Dann kam er auf mich zu und sagte: „Setz dich ruhig hin Oma. Ich kann stehen. Ich hab noch starke Beine.“

Das fand ich jetzt irgendwie charmant. Aber auch irritierend. Ich bin doch nicht alt. Ich bin nur schon eine Weile am Leben. Alt sind andere. Nicht ich.

Alt zu sein ist irgendwie nicht besonders attraktiv in unserer Gesellschaft. Viele schummeln deshalb beim Alter und mogeln sich ein paar Jahre jünger. Ist vor allem so ein Frauending.

Das ist doch total erbärmlich. Man kann zu seinem Alter ruhig stehen. So wie ich. Ich sag´s ganz offen: Ich bin 42g und nächstes Jahr werde ich die Quersumme aus 5.

Einigen reicht das Schummeln aber nicht. Sie lassen auch an sich schnippeln und spritzen. Botox beispielsweise. Dieses Nervengift. Das würde ich ja nie nehmen. Genauso wenig wie Heroin. Ich hab nämlich Angst vor Spritzen. Und ich hätte Panik, dass man mir die Nadel zu tief ins Hirn rammt, Und dann nicht nur meine Falten lahm legt, sondern auch mein Denken.

Das ganze wäre mir auch zu chemisch. Ich bin eher der natürliche Typ. Wenn, dann kiffe ich höchstens ein bisschen. Und Facelifiting mache ich auf natürliche Weise. Zum Beispiel mit einem Pferdeschwanz.

Wenn man sich die Haare ganz streng nach hinten kämmt, dann zieht das die Epidermis gleich mit nach hinten. Das ist sehr praktisch. Denn das strafft total. Und die überschüssige Hautmasse, die sich am Hinterkopf bildet, dreht man dann zu einem kleinen, festen Fleischbällchen. Das kann man gut im Haargummi feststecken. Das hält bombenfest.

Ach, das wusstet ihr nicht? Ja was glaubt ihr, warum manche Frauen sogar einen Dutt tragen?

Die Falten an sich stören mich gar nicht so. Was mich schon eher nervt ist, dass die Kräfte nachlassen. Wenn man morgens aufwacht und sich denkt, “Komm. Bleibste besser liegen”.

Das hab ich von klein auf intuitiv gespürt. Deshalb habe ich mir schon Kind als immer Superkräfte gewünscht. Solche, von der Art, wie Fliegen können, durch Wände laufen, oder sich jeden Tag Schokolade zaubern. So viel man will. Aber ganz besonders habe ich mir gewünscht, ich könne mich unsichtbar machen.

Hey, und wisst ihr was? Es hat endlich geklappt. Wenn ich heute aus dem Haus gehe, bin ich unsichtbar. Kein Schwein guckt mich mehr an.

Statt dessen glotzen mir jetzt alte Männer hinterher. Alte Säcke in braunen Cordhosen mit Bügelfalte. Einer war bestimmt schon an die 50!

Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen das Altwerden. Ich sehe meinem körperlichen Verfall entspannt entgegen. Denn mein Körper hat mir in jungen Jahren treu gedient. Viele Körperteile haben einen fantastischen Job gemacht. Manche von ihnen sogar einen herausragenden. Das war ein professionell eingespieltes Team, und es hat mir jede Menge potentielle Männchen angelockt. Dank ihnen konnte ich eins fangen. Und herausgekommen sind am fruchtbaren Ende auch noch drei Kinder. Was will ich mehr?

Deshalb bin ich meinen Brüsten auch nicht böse, wenn die sich jetzt auch mal locker machen wollen. Sich mal einfach gehen und hängen lassen. Das dürfen die. Das haben sie sich verdient. Mussten ja viele Jahre lang stramm stehen. Und auch noch drei Kinder durchfüttern.

Vielleicht noch mal einen Mini-Job hier, oder eine geringfügige Beschäftigung dort. Aber mehr machen wir nicht. Jetzt sind andere mal dran. Sollen die sich doch abrackern. Wir machen uns locker.

Nicht wahr, Boobsy & Doopsy?

Ich will doch nur Hiebe

27 Dez

Jeder Mensch will geliebt werden. Und jeder Mensch würde gerne jemanden lieben.  Na, dann ist ja alles in bester Ordnung.  Müsste man meinen. Aber irgendwie findet sie kaum einer, die wahre Liebe.

Wir schütteln und rühren unseren persönlichen Gefühls-Cocktail aus dem was wir hoffen und erwarten und wundern uns, warum das Gebräu dem Partner nicht so wirklich schmeckt. Deswegen trinken wohl auch so viele Menschen, alleine an der Bar.
Der Mensch steht also ganz schön alleine da. Und weil wir so  viele sind und uns dabei im Weg rumstehen, spricht man auch von einem allgemeinen Gefühlsstau zwischen Mann und Frau.

Haben Sie mal frisch Verliebte bewusst beobachtet? Die kuscheln, die albern, die lachen. Ich finde, frisch Verliebte wirken besonders attraktiv und interessant. Das liegt vermutlich an dieser Lebendigkeit die sie ausstrahlen. Lebendigkeit im Gesichtsausdruck ist sowieso das beste Schönheitsmittel. Streuen Sie diese Information ruhig mal auf einer Botox-Party. Und achten Sie dann auf die Reaktionen in den Gesichtern.

Ich möchte aber nicht missverstanden werden. Ich beneide Verliebte ganz und gar nicht. Denn der Mensch, wenn er verliebt ist, ist im Grunde unzurechnungsfähig. Völlig plem-plem. Er müsste eigentlich vorübergehend entmündigt werden. Denn ein Cocktail aus Dopanin, Adrenalin, Testosteron und Pheromonen sorgt dafür, dass wir für diese eine kurze Phase des Verliebtseins total den Verstand verlieren.

Und wenn wir dann wieder bei Sinnen sind, sind wir verheiratet, oder zumindest zusammengezogen. Und so glücklich, denn wir besitzen jetzt endlich was gemeinsam. Eine Postanschrift zum Beispiel. Und den Körper und das Konto des anderen. Das geht eine Weile auch ganz gut, aber dann, dann passiert es.

Es passiert nichts mehr. Wir lassen nach. Man muss sich nur einmal umschauen. Es steht vielen Paaren quasi im Gesicht geschrieben. Ähnlich wie den Bäumen, deren Alter man an den Jahresringen bestimmen kann. So kann man an den Gesichtsausdrücken die gemeinsamen Jahre abschätzen. Dabei gilt die Faustformel: Je lebloser, je länger.

Manchmal denkt man  melancholisch an die Anfänge zurück, und versucht eine Reanimation der Gefühle. Das Äußere wird wieder aufgepeppt. Durch eine neue Frisur zum Beispiel. Oder man besorgt sich neue Unterwäsche , oder wechselt sie wieder zumindest häufiger. Dennoch. Einen Umstand muss man trotz aller Bemühungen akzeptieren: In der Zwischenzeit haben Schwerkraft und Fast-Food-Industrie bleibende Deformationen am Körper erzeugt.

Manche Verunstaltung kann man bestimmt kaschieren.  Mit einem Rolkragenpullover vielleicht, oder einer Burka. Man kann auch das Licht stärker dimmen und das Haus nur nach Sonnenuntergang verlassen. Oder, man verlässt sich auf die natürliche Sehschärfeminderung des Partners, die mit dem Alter kommt.

Was auch immer wir auch tun um die Liebe zu erhalten. Eine Frage stellt sich immer wieder.

Kann man Liebe haben?

Wenn man das könnte, wäre die Liebe ein Ding, etwas, was man anfassen, was man besitzen kann. „Hey, Liebe! Bei Fuß! Du kommst jetzt her, und bleibst gefälligst bei mir sitzen, weil ich es will.“

Nun ist die Liebe kein Hund, die man nach Belieben abrichten kann. Liebe ist eher ein Vogel der Freiheit, um mal bei den Metaphern zu bleiben. Liebe gründet auf Freiwilligkeit, und deshalb ist die wahre Liebe auch so selten: denn die bekommt man in der Regel nur geschenkt.

Wen sich also der kleine Vogel irgendwann mal auf unserer Schulter niedergelassen gelassen hat, dann stellen wir beruhigt fest: der kann uns jetzt nicht mehr auf den Kopf scheißen. Aber der Köter, der kann uns immer ans Bein pinkeln.