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Besinnliche Weihnachten

14 Dez

Mir ist das mal wieder alles viel zu schnell gegangen. Offensichtlich werde ich alt. Mein Oster-Schoko-Ei schmilzt immer noch im Mund, und mein Halloween-Kürbis ist noch nicht vollständig vergammelt, da geht wieder die nächste Themenparty an den Start. Schon wieder ist Weihnachten. Im Klartext bedeutet das, die ganze Deko muss wieder austauscht werden.

Ich bin es mittlerweile Leid und habe dieses Jahr die Skelette einfach hängen lassen und ein bisschen Lametta drum herum gepackt. Der Hexe habe ich ein bisschen Watte auf die Backe geklebt. Und im Schrank lag noch alte rote Reizwäsche rum. Die konnte ich noch prima umnähen zu einem schönen Weihnachtsmann-Umhang.

Der Begriff „Bescherung“ ist per se schon negativ belastet, und mit einem schlechten Karma behaftet. Deswegen wundert es auch nicht, dass Geschenke häufig total daneben und unpassend sind.

Ich bekomme meistens einen Pullover geschenkt. Theoretisch hätte dieses Geschenk genügend Potential ein echter Kracher zu sein. Praktisch aber, ist dieses Ding untragbar. Die Ärmel sind mir immer viel zu kurz und zu weit. Ihr müsst wissen, ich habe sehr schöne lange schlanke Arme. Dafür sitzt er am Körper unvorteilhaft eng. Weil Pullover heutzutage grundsätzlich immer völlig verschnitten sind. Aber, er hält schön warm, sagt meine Mutter. Da kann ich ihr nur Recht geben. Besonders wärmt er so schön an den Stellen, an denen er kratzt.

Die ganze Geschenkebesorgerei kratzt mich eher nicht. Weil ich prinzipiell nichts verschenke. Zumindest nicht an Personen über achtzehn. Ab achtzehn wird man für alles mögliche und im vollen Umfang haftbar gemacht. Das ist schon Strafe genug. Da muss man nicht noch Geschenke bekommen. Also, ich will nicht schuld sein, wenn Heilig Abend die Geschmackspolizei vor der Tür steht und den Pulli samt Träger verhaftet.

Das einzige, das mich an Weihnachten nervös macht ist die immer wiederkehrende Frage: Gehen wir zu dir oder zu mir? Als Single hat man Panik, wenn sich diese Frage eher nicht stellt. Ich meine das Dilemma von Paaren, und bei wessen Familie der Heilige Abend verbracht werden soll. Ich kenne viele, die würden sich lieber zwischen Pest und Cholera entscheiden wollen.

Noch schlimmer als weihnachtliche Verwandtenbesuche ist Sukkade. Ich kenne keinen Menschen, der Sukkade mag. Sukkade? Kennt ihr doch? Diese klebrigen bunten Dinger im Christstollen. Das braucht kein Mensch. Aber der Mensch braucht dringend folgende Information. Der weiße Puderzucker ist nicht das Symbol für weiße Weihnacht. Ganz und gar nicht. Er symbolisiert die Windel Jesu. Einen ordinären Kackbeutel also. Einen Fäkalienfänger. Quasi, den Superabsorber für die pralle Ladung Gottes.
Da möchte man gar nicht mehr darüber nachdenken, was der Rest vom Kuchen sein soll, geschweige denn davon essen. In diesem Kontext versteht sich auch, warum Sukkade so beschissen schmeckt.

So sehr ich mich auch bemühe, aber Weihnachten toucht mich einfach nicht. Ich will wirklich kein Spielverderber sein, aber im neuen Testament steht weder, das es drei waren, noch wie sie hießen, oder dass sie heilig waren geschweige denn Könige.

Also, diese drei Typen aus dem Osten – nennen wir sie mal spontan Caspar, Melchior und Balthasar – die sind also einem hellen Stern gefolgt. Einfach so, weil sie Lust darauf hatten. Hunderte von Kilometern, tagelang. Die drei sind immer weiter gelaufen und gelaufen: „ Oh, guck mal, der Stern. Laufen wir mal hinterher“. Und dann, mitten in Jerusalem, quasi kurz vor Betlehem, da versagt das Navi.
Und was machen die drei Jungs? Sie fragen nach dem Weg! Quatschen einfach wildfremde Menschen an. In Jerusalem! In Herodes-Town: „Hallo, wissen sie vielleicht, wo wir den neugeborenen König der Juden finden?„
In Kindermörderhausen nach dem Weg zu fragen finde ich persönlich ein wenig riskant.

Die drei Weisen aus dem Morgenland schaffen dank der guten Wegbeschreibung auch das letzte Stück Weg nach Bethlehem, und sie finden das Jesuskind. Und alle freuen sich. Sie sind endlich angekommen, das Kind ist gesund und munter, und es ist alles dran. U1: 10 Punkte.
Die drei haben auch Geschenke dabei. Gold, Weihrauch und Myrre. Das sind prima Geschenke. Da freut sich doch jeder kleine Junge darüber. Steht auf der Wunschliste ganz oben. Besonders Myrre. Noch vor Bob der Baumeister und der Play Station. Alle haben noch ein bisschen gefeiert. Und nach der Party sind die drei wieder zurück in den Osten gegangen. Und hier endet die Geschichte.

Vor 2.000 Jahren wurde ein besonderes Kind geboren. Viel Licht, Luxus und Lärm soll uns jedes Jahr aufs Neue daran erinnern. Und, vor lauter Aufwand, vergesse ich immer wieder, worum es eigentlich geht.
Heute sterben täglich 30.000 Kinder an den Folgen von Armut und Unterentwicklung. Jedes Jahr werden 11 Millionen Kinder niemals ihren 5. Geburtstag erleben. Dabei könnten sie es. Wenn wir ihnen Essen und sauberes Wasser schenken würden.

Ich für meinen Teil, freu´ mich jetzt schon auf den 27. Dezember.

Fröhliche Weihnachten!