Tag Archives: JObs

Alter, mach mich nicht schwach.

13 Aug

Gestern stand ich gutgelaunt im Bus und hing so meinen Gedanken nach, als ich bemerkte, dass mich ein junger Kerl anschaute. „Hola!“ dachte ich mir, was für ein lecker Kerl. Er guckte. Ich guckte. Dann kam er auf mich zu und sagte: „Setz dich ruhig hin Oma. Ich kann stehen. Ich hab noch starke Beine.“

Das fand ich jetzt irgendwie charmant. Aber auch irritierend. Ich bin doch nicht alt. Ich bin nur schon eine Weile am Leben. Alt sind andere. Nicht ich.

Alt zu sein ist irgendwie nicht besonders attraktiv in unserer Gesellschaft. Viele schummeln deshalb beim Alter und mogeln sich ein paar Jahre jünger. Ist vor allem so ein Frauending.

Das ist doch total erbärmlich. Man kann zu seinem Alter ruhig stehen. So wie ich. Ich sag´s ganz offen: Ich bin 42g und nächstes Jahr werde ich die Quersumme aus 5.

Einigen reicht das Schummeln aber nicht. Sie lassen auch an sich schnippeln und spritzen. Botox beispielsweise. Dieses Nervengift. Das würde ich ja nie nehmen. Genauso wenig wie Heroin. Ich hab nämlich Angst vor Spritzen. Und ich hätte Panik, dass man mir die Nadel zu tief ins Hirn rammt, Und dann nicht nur meine Falten lahm legt, sondern auch mein Denken.

Das ganze wäre mir auch zu chemisch. Ich bin eher der natürliche Typ. Wenn, dann kiffe ich höchstens ein bisschen. Und Facelifiting mache ich auf natürliche Weise. Zum Beispiel mit einem Pferdeschwanz.

Wenn man sich die Haare ganz streng nach hinten kämmt, dann zieht das die Epidermis gleich mit nach hinten. Das ist sehr praktisch. Denn das strafft total. Und die überschüssige Hautmasse, die sich am Hinterkopf bildet, dreht man dann zu einem kleinen, festen Fleischbällchen. Das kann man gut im Haargummi feststecken. Das hält bombenfest.

Ach, das wusstet ihr nicht? Ja was glaubt ihr, warum manche Frauen sogar einen Dutt tragen?

Die Falten an sich stören mich gar nicht so. Was mich schon eher nervt ist, dass die Kräfte nachlassen. Wenn man morgens aufwacht und sich denkt, “Komm. Bleibste besser liegen”.

Das hab ich von klein auf intuitiv gespürt. Deshalb habe ich mir schon Kind als immer Superkräfte gewünscht. Solche, von der Art, wie Fliegen können, durch Wände laufen, oder sich jeden Tag Schokolade zaubern. So viel man will. Aber ganz besonders habe ich mir gewünscht, ich könne mich unsichtbar machen.

Hey, und wisst ihr was? Es hat endlich geklappt. Wenn ich heute aus dem Haus gehe, bin ich unsichtbar. Kein Schwein guckt mich mehr an.

Statt dessen glotzen mir jetzt alte Männer hinterher. Alte Säcke in braunen Cordhosen mit Bügelfalte. Einer war bestimmt schon an die 50!

Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen das Altwerden. Ich sehe meinem körperlichen Verfall entspannt entgegen. Denn mein Körper hat mir in jungen Jahren treu gedient. Viele Körperteile haben einen fantastischen Job gemacht. Manche von ihnen sogar einen herausragenden. Das war ein professionell eingespieltes Team, und es hat mir jede Menge potentielle Männchen angelockt. Dank ihnen konnte ich eins fangen. Und herausgekommen sind am fruchtbaren Ende auch noch drei Kinder. Was will ich mehr?

Deshalb bin ich meinen Brüsten auch nicht böse, wenn die sich jetzt auch mal locker machen wollen. Sich mal einfach gehen und hängen lassen. Das dürfen die. Das haben sie sich verdient. Mussten ja viele Jahre lang stramm stehen. Und auch noch drei Kinder durchfüttern.

Vielleicht noch mal einen Mini-Job hier, oder eine geringfügige Beschäftigung dort. Aber mehr machen wir nicht. Jetzt sind andere mal dran. Sollen die sich doch abrackern. Wir machen uns locker.

Nicht wahr, Boobsy & Doopsy?

Advertisements

Flow(p) oder Job

19 Feb

Ab und an lese ich auch mal Stellenanzeigen. Nicht unbedingt der Stellen wegen. Wozu auch?

Als ob ich nicht mit zehnsprachigen 23-jährigen Raketeningenieuren und ihren drei Auslandssemestern im Orbit locker mithalten könnte. Es sind häufig diese gesuchten Charaktere und ihre Typbeschreibungen, die mich vor der dem Job meistens abschrecken.

Der flexible, belastbare und kommunikationsstarke Typ erfreut sich ja einer zeitlosen Beliebigkeit. Stelle ich mir flexible, belastbare und kommunikationsstarke Menschen vor, sehe ich Labertaschen mit schwachem Rückgrat, die sich meist zu viel aufhalsen lassen. Dieser Typ ist ein echtes Arbeitstier. Wenn er erst einmal bei der Sache ist, lässt er sich durch nichts ablenken. Nicht mal mit Kätzchenvideos. Und zu seinen Kollegen ist er immer nett und hat für jeden stets ein freundliches „Mahlzeit!“ auf den Lippen.

Insgesamt kann ich da vom Typ mal wieder nicht dienen. Und so lasse ich es entmutigt mit der Bewerbung wieder einfach bleiben, und die Dinge so laufen, wie sie laufen.

Als kreativer Mensch hat man es eh nie leicht und auch seine Probleme mit gewöhnlichen Jobs. Ständig ist man damit abgelenkt seine geistigen Ergüsse auf Papier zu bringen. In keinem Fall darf man diese kreativen Flows mit etwas Unsinnigem stören. Wie mit einem bezahlten Job zum Beispiel. Niemals.

Es ist nicht so, dass wir arrogant oder faul wären. Wir sind einfach nur krank. Kranke Typen eben. Von einem Virus infiziert und befallen. Wir tragen den WARUM-Virus chronisch in uns. Wir fragen ständig und bei allem: WARUM? Wieso wir uns das fragen? Deshalb. Verstehen sie nicht? Sie sind ja auch nicht krank.

Ich möchte es ihnen anhand eines konkreten Beispiels einmal erläutern. Stellen sie sich einmal vor, ich sei eine Angestellte. Jeden Morgen also, wenn der Wecker mir rythmisch ins Hirn hämmert und mich anbrüllt „Steh auf, quäl dich durch den Berufsverkehr und mach andere Menschen reich mit deinen brillanten Ideen“; Ich würde mich langsam im Bett umdrehen und leise zurückfragen: “Warum?“.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob es das genau trifft, was ich ausdrücken möchte. Daher möchte noch ein weiteres Beispiel wählen. Stellen Sie sich jetzt einmal vor, ich wäre eine Gynäkologin. Jeden Tag würde ich also vor meiner Arbeit stehen und mich fragen: „Warum zeigt die mir das alles gerade? Und warum schaue ich überhaupt da hin?!“ Verstehen Sie jetzt?!

Und dann sind da noch die offensichtlich fragwürdigen Jobs. Investmentbanker sind das Paradebeispiel. Das leuchtet auch jedem sofort ein. Gefährlich sind aber diese Jobs, denen man die Verwerflichkeit nicht auf den ersten Blick ansieht.

Nehmen wir mal die Bäcker. Das glauben sie jetzt sicher nicht. Lassen sie sich nicht blenden von dem reinen Weiß. Seien sie doch nicht so naiv. Dieses Business ist so schmutzig! Denn, was die wenigsten wissen: In ganz großem Stil wird Hefe ausgebeutet. Diese armen Mikroorganismen machen doch die ganze Arbeit für das faule Bäckerpack. DIE machen doch, dass der Teig hochgeht! Die stemmen ihn hoch, mit ihren dünnen Ärmchen. Und wenn die ganze Arbeit erledigt ist, werden diese unschuldigen Kleinstlebewesen etwa bezahlt? Oder wird ihre Arbeit in irgendeiner Weise honoriert? Im Gegenteil. Sie werden umgebracht. Verbrannt. Bei lebendigem Leib. Das ist so schäbig!

In dieser Art und Weise können sie systematisch durch alle existierenden Branchen gehen, und sie werden auf widerliche, morbide und kranke Zustände stossen. Am Ende des Tages bin ich jedenfalls nicht überrascht, dass so viele Menschen auf Droge gehen.

Oder auf die Bühne.