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Ich weiß was, was du nicht googelst, und das ist doof.

6 Jan

Mein Name ist Peta Pan. Natürlich ist das nicht mein richtiger Name. Wer heißt schon so beknackt. Es ist der Deckmantel für meine kleine unauffällige bürgerliche Existenz. Aber darunter verbirgt sich noch einiges mehr. Und das ist gar nicht so harmlos. Es ist die Rede von meinem Migrationshintergrund. Und der ist zweifelsohne ein genetisches Pulverfass.

Ich bin der Spross eines Serbo-Rumänen und einer Deutsch-Serbin. Der Familien-Legende nach wurde ich bei einem transsilvanischen Verwandtenbesuch auf dem serbischen Autoput in der Höhe von Belgrad gezeugt.

Zwischengeparkt wurde ich die folgenden 40 Jahre jedoch in Deutschland.

Wir Ihr merkt, sind das viele Nationen in mir. Das ist total schizophren. Da sind sehr viele Stimmen in meinem Kopf. Und jede brüllt in einer anderen, manchmal sehr vokalarmen Sprache.

Viele Menschen zucken zusammen, wenn sie hören, wer da alles in Personalunion vor ihnen steht, und versuchen ihr Missbehagen ungeschickt zu verbergen.

Lasst es.

Ich weiß genau, was ihr denkt. Denn Google hat´s verraten. Man kann Google fragen. Egal, was man wissen will. Google verrät es dir.

Ich habe einmal in die Google-Suche eingegeben: “Rumänen sind…”,

und die Autovervollständigung zeigte an erster Stelle….

”…Zigeuner”.

Natürlich. Man kennt das ja. Alles Bettler und Betrüger, die einen breiten BMW fahren und in Baracken leben. Warum wundert das denn noch irgendeinen? Kein Vermieter würde diesem fahrenden Volk eine feste Wohnung vermieten. Darum wohnen wir auch zugigen Bretterbuden. Was gar nicht so schlimm ist. Immerhin sparen wir viel Geld und können uns so ein dickes Auto leisten.

Ich war gespannt, was Deutsche über Serben denken.

“Serben sind….”böse” und “…schuld”.

Ok. Das weiß man ja. Das ist nicht neu. Das trägt man uns bereits 100 Jahre nach. Und dass nur, weil ein serbischer Attentäter den ersten Weltkrieg ausgelöst hat. >

Das spannendste habe ich mir zum Schluss aufgehoben. Das Bild über uns selbst. Was denken wir Deutschen über uns Deutschen?

Deutsche sind hässlich. Und Nazis. Was denn sonst. Auch mein deutscher Genpool erweißt sich als ein unerschöpflicher Quell an Erbschuld. Habe ich nicht schon den 1. Welkrieg genetisch auf dem Gewissen? Muss man mir auch den 2. noch ankreiden?

Ressentimetns, Vorurteile, Intoleranz. Unsere Köpfe sind voll damit. Spanier sind laut. Italiener die schönsten. Und Polen fleißiger als die Deutschen.

Der Mensch ist des Menschen Wolf. Und er ist das Maß aller Dinge.

Er ist der Nichtmigrant in seinem Land. In seiner eigenen Beschränktheit.

Advent, Advent, ich hab Nikolaus verpennt.

6 Dez

Heute Morgen bin ich beim Aufstehen über drei fein putzig aufgestellte Kinderstiefel gestolpert. „Kacke, du hast Nikolaus verpennt“, schoss es mir heiß durch den Kopf. Wie es sich für einen schlecht sortierten Haushalt gehört, hatte ich auch keinerlei Süßigkeiten im Haus oder sonst irgendetwas Angemessenes, was man zu diesem Anlass verschenken kann.

Ich neige dazu, solche Momente als Herausforderung zu betrachten, und nicht als Problem. Also begann ich zu wühlen und wurde schnell fündig. Ein Päckchen Vanillezucker, eine Flasche Malzbier und ein Starthilfekabel verteilte ich altersgerecht von klein nach groß. Ich fand es perfekt. Die Freude bei meinen Kindern hielt sich jedoch in Grenzen.

Ich lasse mir aber kein schlechtes Gewissen einreden. Um die Weihnachtszeit wird sowieso viel zu viel genascht. Das beginnt schon an Nikolaus. Dabei erzählen wir unseren Kindern ständig, sie sollen in keinem Fall – in gar keinem – von fremden Männern Süßigkeiten annehmen. Und dann, Anfang Dezember, kriegen Eltern plötzlich diese Massenamnesie und bitten ihre Kinder, für einen wildfremden Herrn Nikolaus einen Stiefel rauszustellen.

Der Typ ist mir persönlich verdächtig. Ich hab den mal gegoogelt. Streng genommen ist er ein Türke. Geboren wurde er an der heutigen türkischen Mittelmeerküste. Ein Muselmann zieht also durch die christliche Gemeinde und verteilt Süßes. Meine Fragelust war nun richtig angefacht und ich hab weiter gegoogelt. Jetzt ist mir alles klar. Das Füllen der Schuhe hat nämlich etwas mit seiner Lende zu tun. Also, mit einer Legende, die sich darum rankt.

Da gab es nämlich diese drei Jungfrauen in seiner Nachbarschaft. Theoretisch waren sie im heiratsfähigen Alter*, aber praktisch unvermittelbar, weil die Familie nicht genügend Mitgift hatte. Dem Vater aber kam die rettende Idee, wie er seine Töchter doch noch standesgemäß an den Ehemann bringen kann.**

So kommt es, dass die drei das älteste Gewerbe der Welt anmelden, um so die Mitgift anzuschaffen. Der Nikolaus hört von diesem neuen Etablissement bei ihm um die Ecke, und geht eines Abends dahin.*** Und weil es so nett war, wirft er jeder noch einen fetten Goldklumpen beim Abschied durchs Fenster. Sie waren nun keine Jungfrauen mehr aber dafür eine gute Partie. Und so stand einer ordnungsgemäßen Zwangsheirat auch nichts mehr im Wege.

Als mitteleuropäische Mutter frage ich mich nun, was diese Nikolaus-Legende für meine Familie bedeutet. Ich interpretiere es so, dass meinen Kindern das Rotlicht-Milleu erspart bleibt. Sofern sie brav die Stiefel vor die Tür stellen. Vor diesem Hintergrund sehe ich das bisschen Karies an den Milchzähnen dann auch nicht mehr eng.

Beim heiligen Rentier, ich gelobe feierlich, nächstes Jahr ganz bestimmt an die Stiefel zu denken.

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* Zwischen 12 und 16 Jahren
** Wäge Ehrre und so.
*** Nur zum reden.