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Flow(p) oder Job

19 Feb

Ab und an lese ich auch mal Stellenanzeigen. Nicht unbedingt der Stellen wegen. Wozu auch?

Als ob ich nicht mit zehnsprachigen 23-jährigen Raketeningenieuren und ihren drei Auslandssemestern im Orbit locker mithalten könnte. Es sind häufig diese gesuchten Charaktere und ihre Typbeschreibungen, die mich vor der dem Job meistens abschrecken.

Der flexible, belastbare und kommunikationsstarke Typ erfreut sich ja einer zeitlosen Beliebigkeit. Stelle ich mir flexible, belastbare und kommunikationsstarke Menschen vor, sehe ich Labertaschen mit schwachem Rückgrat, die sich meist zu viel aufhalsen lassen. Dieser Typ ist ein echtes Arbeitstier. Wenn er erst einmal bei der Sache ist, lässt er sich durch nichts ablenken. Nicht mal mit Kätzchenvideos. Und zu seinen Kollegen ist er immer nett und hat für jeden stets ein freundliches „Mahlzeit!“ auf den Lippen.

Insgesamt kann ich da vom Typ mal wieder nicht dienen. Und so lasse ich es entmutigt mit der Bewerbung wieder einfach bleiben, und die Dinge so laufen, wie sie laufen.

Als kreativer Mensch hat man es eh nie leicht und auch seine Probleme mit gewöhnlichen Jobs. Ständig ist man damit abgelenkt seine geistigen Ergüsse auf Papier zu bringen. In keinem Fall darf man diese kreativen Flows mit etwas Unsinnigem stören. Wie mit einem bezahlten Job zum Beispiel. Niemals.

Es ist nicht so, dass wir arrogant oder faul wären. Wir sind einfach nur krank. Kranke Typen eben. Von einem Virus infiziert und befallen. Wir tragen den WARUM-Virus chronisch in uns. Wir fragen ständig und bei allem: WARUM? Wieso wir uns das fragen? Deshalb. Verstehen sie nicht? Sie sind ja auch nicht krank.

Ich möchte es ihnen anhand eines konkreten Beispiels einmal erläutern. Stellen sie sich einmal vor, ich sei eine Angestellte. Jeden Morgen also, wenn der Wecker mir rythmisch ins Hirn hämmert und mich anbrüllt „Steh auf, quäl dich durch den Berufsverkehr und mach andere Menschen reich mit deinen brillanten Ideen“; Ich würde mich langsam im Bett umdrehen und leise zurückfragen: “Warum?“.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob es das genau trifft, was ich ausdrücken möchte. Daher möchte noch ein weiteres Beispiel wählen. Stellen Sie sich jetzt einmal vor, ich wäre eine Gynäkologin. Jeden Tag würde ich also vor meiner Arbeit stehen und mich fragen: „Warum zeigt die mir das alles gerade? Und warum schaue ich überhaupt da hin?!“ Verstehen Sie jetzt?!

Und dann sind da noch die offensichtlich fragwürdigen Jobs. Investmentbanker sind das Paradebeispiel. Das leuchtet auch jedem sofort ein. Gefährlich sind aber diese Jobs, denen man die Verwerflichkeit nicht auf den ersten Blick ansieht.

Nehmen wir mal die Bäcker. Das glauben sie jetzt sicher nicht. Lassen sie sich nicht blenden von dem reinen Weiß. Seien sie doch nicht so naiv. Dieses Business ist so schmutzig! Denn, was die wenigsten wissen: In ganz großem Stil wird Hefe ausgebeutet. Diese armen Mikroorganismen machen doch die ganze Arbeit für das faule Bäckerpack. DIE machen doch, dass der Teig hochgeht! Die stemmen ihn hoch, mit ihren dünnen Ärmchen. Und wenn die ganze Arbeit erledigt ist, werden diese unschuldigen Kleinstlebewesen etwa bezahlt? Oder wird ihre Arbeit in irgendeiner Weise honoriert? Im Gegenteil. Sie werden umgebracht. Verbrannt. Bei lebendigem Leib. Das ist so schäbig!

In dieser Art und Weise können sie systematisch durch alle existierenden Branchen gehen, und sie werden auf widerliche, morbide und kranke Zustände stossen. Am Ende des Tages bin ich jedenfalls nicht überrascht, dass so viele Menschen auf Droge gehen.

Oder auf die Bühne.