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Ich will doch nur Hiebe

27 Dez

Jeder Mensch will geliebt werden. Und jeder Mensch würde gerne jemanden lieben.  Na, dann ist ja alles in bester Ordnung.  Müsste man meinen. Aber irgendwie findet sie kaum einer, die wahre Liebe.

Wir schütteln und rühren unseren persönlichen Gefühls-Cocktail aus dem was wir hoffen und erwarten und wundern uns, warum das Gebräu dem Partner nicht so wirklich schmeckt. Deswegen trinken wohl auch so viele Menschen, alleine an der Bar.
Der Mensch steht also ganz schön alleine da. Und weil wir so  viele sind und uns dabei im Weg rumstehen, spricht man auch von einem allgemeinen Gefühlsstau zwischen Mann und Frau.

Haben Sie mal frisch Verliebte bewusst beobachtet? Die kuscheln, die albern, die lachen. Ich finde, frisch Verliebte wirken besonders attraktiv und interessant. Das liegt vermutlich an dieser Lebendigkeit die sie ausstrahlen. Lebendigkeit im Gesichtsausdruck ist sowieso das beste Schönheitsmittel. Streuen Sie diese Information ruhig mal auf einer Botox-Party. Und achten Sie dann auf die Reaktionen in den Gesichtern.

Ich möchte aber nicht missverstanden werden. Ich beneide Verliebte ganz und gar nicht. Denn der Mensch, wenn er verliebt ist, ist im Grunde unzurechnungsfähig. Völlig plem-plem. Er müsste eigentlich vorübergehend entmündigt werden. Denn ein Cocktail aus Dopanin, Adrenalin, Testosteron und Pheromonen sorgt dafür, dass wir für diese eine kurze Phase des Verliebtseins total den Verstand verlieren.

Und wenn wir dann wieder bei Sinnen sind, sind wir verheiratet, oder zumindest zusammengezogen. Und so glücklich, denn wir besitzen jetzt endlich was gemeinsam. Eine Postanschrift zum Beispiel. Und den Körper und das Konto des anderen. Das geht eine Weile auch ganz gut, aber dann, dann passiert es.

Es passiert nichts mehr. Wir lassen nach. Man muss sich nur einmal umschauen. Es steht vielen Paaren quasi im Gesicht geschrieben. Ähnlich wie den Bäumen, deren Alter man an den Jahresringen bestimmen kann. So kann man an den Gesichtsausdrücken die gemeinsamen Jahre abschätzen. Dabei gilt die Faustformel: Je lebloser, je länger.

Manchmal denkt man  melancholisch an die Anfänge zurück, und versucht eine Reanimation der Gefühle. Das Äußere wird wieder aufgepeppt. Durch eine neue Frisur zum Beispiel. Oder man besorgt sich neue Unterwäsche , oder wechselt sie wieder zumindest häufiger. Dennoch. Einen Umstand muss man trotz aller Bemühungen akzeptieren: In der Zwischenzeit haben Schwerkraft und Fast-Food-Industrie bleibende Deformationen am Körper erzeugt.

Manche Verunstaltung kann man bestimmt kaschieren.  Mit einem Rolkragenpullover vielleicht, oder einer Burka. Man kann auch das Licht stärker dimmen und das Haus nur nach Sonnenuntergang verlassen. Oder, man verlässt sich auf die natürliche Sehschärfeminderung des Partners, die mit dem Alter kommt.

Was auch immer wir auch tun um die Liebe zu erhalten. Eine Frage stellt sich immer wieder.

Kann man Liebe haben?

Wenn man das könnte, wäre die Liebe ein Ding, etwas, was man anfassen, was man besitzen kann. „Hey, Liebe! Bei Fuß! Du kommst jetzt her, und bleibst gefälligst bei mir sitzen, weil ich es will.“

Nun ist die Liebe kein Hund, die man nach Belieben abrichten kann. Liebe ist eher ein Vogel der Freiheit, um mal bei den Metaphern zu bleiben. Liebe gründet auf Freiwilligkeit, und deshalb ist die wahre Liebe auch so selten: denn die bekommt man in der Regel nur geschenkt.

Wen sich also der kleine Vogel irgendwann mal auf unserer Schulter niedergelassen gelassen hat, dann stellen wir beruhigt fest: der kann uns jetzt nicht mehr auf den Kopf scheißen. Aber der Köter, der kann uns immer ans Bein pinkeln.

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