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Muttertag

8 Mai

Dass Muttertag ist, bemerke ich meist am Anruf meines Vaters, der mich diskret daran erinnert Mama anzurufen.
So sehr ich mich auch bemühe, ich kann diesem Tag einfach nichts abgewinnen. Dabei bringe ich doch alle Voraussetzungen mit. Meine Mutter freut sich in hohem Alter bester Gesundheit und ich selbst bin späte Mutter mit sehr vielen sehr jungen Kindern.

Heute ist also Muttertag.
Denke ich aber an Muttertag, denke ich spontan an amerikanische und finnische Horrorfilme.

Es liegt vermutlich daran, dass ich zum Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber keine innige Beziehung pflege. Das sind nämlich die, die vor rund 90 Jahren zu Ehren der Mutter, und zum Wohl der eigenen Kasse den Muttertag als den „Tag der Blumenwünsche“ etabliert haben.
Natürlich bin ich dafür den Einzelhandel zu unterstützen. Deshalb gehe ich zum Beispiel zum Friseur. oder Döner essen. Und mein Obst und und Gemüse hole ich auch gleich dort.

Meine Familie fragt mich immer, ob ich an Muttertag irgendwelche Wünsche habe. Gut, dass sie fragen. Ja. Zufällig hab ich welche. Ich wünsche mir, über das ganze Jahr verteilte Aufmekrsamkeit. In normalen unspektakulären Maßen.
Und dann noch das: Lasst sie am Leben! Von mir aus packt sie in den Topf. Aber nicht schneiden.
Bitte! Bitte! Bloß das nicht! Was soll man mit Schnittblumen denn anfangen?
Der kurze Moment ihrer schmückenden Schönheit kann doch nicht wirklich darüber hinwegtäuschen,
dass man ihren toten Körpern nur beim Verwelken zuschaut. Spätestens nach acht Tagen muss man ihren Bio-Kadaver entsorgen.

Das will ich nicht. Beerdigungen ziehen mich immer so runter.

Deshalb bekomme ich von meinen Kindern, meist einen Tag nach Muttertag, hektisch gebastelte Geschenke. Denn auch sie vergessen diesen Tag regelmäßig.

Ich mag es ja nicht so sagen. Man kennt das ja. Diese maßlose Überschätzung des eigenen Nachwuchses.
Aber ich habe wirklich ganz tolle Kinder. Sie sind so klug und so talentiert. Und sie basteln so gerne. Besonders kreativ sind sie in den Werbepausen.

Letztes Jahr habe ich ein dutzend Knetmännchen bekommen. Von der Sorteklein und missratenen. Mit unförmigen Körpern, dünnen Ärmchen und gruseligen Gesichtern. Davon habe ich schon jede Menge. Und es macht mich auch ein bisschen stolz, Ich habe eigens dafür ein Regal an die Wand gedübelt, um diesen Masters of Desasters einen gebührenden Platz geben.

Eigentlich wollte ich heute, etwas über den Muttertag schreiben. Schlussendlich ist es auch ein Text über Kinder geworden. Aber das ist gut so, denn Kinder sind einfach die Besten. Vielleicht sollten wir ab und zu an sie denken und ihnen unsere Beachtung schenken.

Zum Beispiel am 1 Juni. Da ist internationaler Kindertag. Selbstverständlich mit freundlicher Unterstützung des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie.

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