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Pein und Peinlichkeiten

14 Aug

Ach, was waren das für schöne Momente. Als meine Babies noch klein waren. Und im Grunde nichts taten. Es waren einfache Zeiten, mit einfachen Regeln. Sie lagen meist genau an der Stelle, an der ich sie zuvor abgelegt hatte. Frühstück war immer morgens zwischen drei und vier. Und die Windel wurde befüllt, genau an der 100-Meter-Marke nach Verlassen des Hauses.

Ihre Ansprüche waren ebenfalls simpel. Man konnte das Leben auf eine überschaubare Formel bringen: ESKK – Essen, Schafen, Knuddeln und Kacken.

Auch waren sie leicht zu unterhalten. Einfache Grimassen, ein Haitaitai-Knuddi-Puddi-Schubbeldidupp, und schon strahlten die dicken Mopsbacken.

Meine übermüdete Fresse, die strähnigen Haare und den Spinat von gestern, auf meinem T-shirt von vorgestern, nahm mir keines meiner Kinder jemals übel. Ich sah furchtbar aus und roch noch schlimmer. Das alles spielte aber keine Rolle. Denn ich war für sie ihre Heldin im Babykotze-Bademantel, die Trash Queen of the Castle, the Flodder of the Pack.

Die schönen Zeiten sind nun offensichtlich vorbei. Aus Babies werden Teenager. Und Dinge werden komplizierter. Denn Komplexe wachsen bekanntlich mit den Kindern.

Neuerdings bin ich meinen Kinder nur noch peinlich. Ständig bekomme ich von meiner Brut zu hören, das man dies & das nicht mehr machen sollte in meinem Alter. Ich bin peinlich wenn ich lache, wenn ich singe, wenn ich im Schwimmbad vom Fünfer eine Arschbombe springe. Wenn ich also diese ganzen lebensbejahenden Dinge tue.

“Entschuldigung sie bitte unsere Mutter, aber die lebt noch”.

Neulich wollte unsere älteste Tochter das erste Mal auf ein Rockkonzert. Dafür ist sie eigentlich noch zu jung. Also bin ich mitgegangen. Und was muss ich mir zum Dank anhören?

“Boah, Mama, ist schon peinlich genug, dass du mitkommst.
Aber bitte, nimm sofort das Pappschild runter. Das ist M-E-G-A-peinlich!
Und weiß Papa eigentlich, dass da draufsteht: Ich will nur Sex von dir! Kinder hab ich schon?!”

Diese undankbare Brut.

Denken meine Kinder einmal darüber nach, wie ich mich fühle? Wenn mein Sohn glaubt, den Swag zu haben? Aber nicht einmal einen Gürtel besitzt? Seine Hose hängt extrem tief. Die ganze Unterhose kann man sehen. Ich will die nicht sehen. Ich kenne diese Unterhose. Ich muß die ständig gewaschen.
Dann steht er mir auch noch den ganzen Tag breitbeinig im Weg herum. Weil sonst ja die Hose rutschtschen würde. In die Kniebeuge.

Oder nehmen wir meine Tochter. Muss die denn auf jedem T-Shirt vorne so ein blödes Katzengesicht tragen? Überhaupt, warum hat diese Katze eine alberne Schleife auf dem Kopf? Aber keinen Mund? Und wie gelingt der dämlichem Katze dieser dümmliche Gesichtsausdruck? So ganz ohne Mund?

Manchmal möchte ich am liebsten rufen: “Tschüss, Kitties! Bleibt, wo ihr seid“.

Gelegentlich ist mir danach, sie in freier Wildbahn irgendwo auszusetzen. Wie Hänsel & Gretel. Und dann möchte ich am liebsten ganz schnell wegzulaufen. Also, vor meiner Tochter. Was meinen Sohn betrifft, reicht auch gemütliches Schlendern. Der holt mich eh´nicht ein, in seiner Grätschhaltung.

Tu ich das? Nein. Natürlich nicht. Denn ich bin ihre Mutter. Ich begleite sie loyal durchs Leben. Wenigstens bis zur modischen Vollreife.

Jetzt hab ich mich aber heißgeredet.
Ich muss dringend meine Hitzewallung etwas abkühlen.
Ich geh dann mal los ins Schwimmbad.

Es wird Zeit für meine tägliche Arschbombe.

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