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Advent, Advent, ich hab Nikolaus verpennt.

6 Dez

Heute Morgen bin ich beim Aufstehen über drei fein putzig aufgestellte Kinderstiefel gestolpert. „Kacke, du hast Nikolaus verpennt“, schoss es mir heiß durch den Kopf. Wie es sich für einen schlecht sortierten Haushalt gehört, hatte ich auch keinerlei Süßigkeiten im Haus oder sonst irgendetwas Angemessenes, was man zu diesem Anlass verschenken kann.

Ich neige dazu, solche Momente als Herausforderung zu betrachten, und nicht als Problem. Also begann ich zu wühlen und wurde schnell fündig. Ein Päckchen Vanillezucker, eine Flasche Malzbier und ein Starthilfekabel verteilte ich altersgerecht von klein nach groß. Ich fand es perfekt. Die Freude bei meinen Kindern hielt sich jedoch in Grenzen.

Ich lasse mir aber kein schlechtes Gewissen einreden. Um die Weihnachtszeit wird sowieso viel zu viel genascht. Das beginnt schon an Nikolaus. Dabei erzählen wir unseren Kindern ständig, sie sollen in keinem Fall – in gar keinem – von fremden Männern Süßigkeiten annehmen. Und dann, Anfang Dezember, kriegen Eltern plötzlich diese Massenamnesie und bitten ihre Kinder, für einen wildfremden Herrn Nikolaus einen Stiefel rauszustellen.

Der Typ ist mir persönlich verdächtig. Ich hab den mal gegoogelt. Streng genommen ist er ein Türke. Geboren wurde er an der heutigen türkischen Mittelmeerküste. Ein Muselmann zieht also durch die christliche Gemeinde und verteilt Süßes. Meine Fragelust war nun richtig angefacht und ich hab weiter gegoogelt. Jetzt ist mir alles klar. Das Füllen der Schuhe hat nämlich etwas mit seiner Lende zu tun. Also, mit einer Legende, die sich darum rankt.

Da gab es nämlich diese drei Jungfrauen in seiner Nachbarschaft. Theoretisch waren sie im heiratsfähigen Alter*, aber praktisch unvermittelbar, weil die Familie nicht genügend Mitgift hatte. Dem Vater aber kam die rettende Idee, wie er seine Töchter doch noch standesgemäß an den Ehemann bringen kann.**

So kommt es, dass die drei das älteste Gewerbe der Welt anmelden, um so die Mitgift anzuschaffen. Der Nikolaus hört von diesem neuen Etablissement bei ihm um die Ecke, und geht eines Abends dahin.*** Und weil es so nett war, wirft er jeder noch einen fetten Goldklumpen beim Abschied durchs Fenster. Sie waren nun keine Jungfrauen mehr aber dafür eine gute Partie. Und so stand einer ordnungsgemäßen Zwangsheirat auch nichts mehr im Wege.

Als mitteleuropäische Mutter frage ich mich nun, was diese Nikolaus-Legende für meine Familie bedeutet. Ich interpretiere es so, dass meinen Kindern das Rotlicht-Milleu erspart bleibt. Sofern sie brav die Stiefel vor die Tür stellen. Vor diesem Hintergrund sehe ich das bisschen Karies an den Milchzähnen dann auch nicht mehr eng.

Beim heiligen Rentier, ich gelobe feierlich, nächstes Jahr ganz bestimmt an die Stiefel zu denken.

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* Zwischen 12 und 16 Jahren
** Wäge Ehrre und so.
*** Nur zum reden.